Bulletin 43 – Ostern Der Leitartikel

Liebe Leser,

schon in den letzten Ausgaben unserer Evangelischen Nachrichten aus Tschechien konnten Sie von den Jahrestagen lesen, die unsere Kirche durchlebt. Aber das Jubiläum, das für die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder vielleicht die größte Bedeutung hat, liegt noch vor uns: im Herbst dieses Jahres wird unsere Kirche 100 Jahre alt. Auch im Blick auf die Vorbereitungsarbeiten, die noch voll im Gang sind, ist dieser Jahrestag besonders anspruchsvoll. Die Feier soll ja würdevoll sein und der Wichtigkeit dieses historischen Meilensteins gerecht werden. Die Entstehung unserer Kirche ist nämlich nicht nur für uns, tschechische evangelische Christen, von Bedeutung, sondern auch für weitere Bürger unseres Landes, auch wenn sie sich dessen nicht unbedingt bewusst sind. Sie begegnen uns, sie hören von uns, wenn wir auf Unrecht und Lügen aufmerksam machen, nehmen unsere Hilfe an – die Hilfe von Kaplanen und Pfarrern, als Seelsorger, Lehrer, bei Trauungen

Bulletin 43 – Ostern DE

Diese Ausgabe unseres ökumenischen Bulletins erscheint kurz vor dem Osterfest. Das ist Absicht. Wir wollen darauf hinweisen, dass große und wichtige Jubiläen nicht nur einmal in 100 oder 500 Jahren stattfinden, sondern jedes Jahr. Jedes Jahr erinnern wir daran, welches Ende das Leben von Jesus Christus in dieser Welt nahm und feiern seinen Sieg über den Tod. Diese Botschaft hat für uns die größte Bedeutung und gibt uns Sicherheit und Frieden. Und sie ist es wert, erinnert zu werden und zwar jedes Jahr.

Plíšková2Ich wünsche Ihnen, liebe Freunde, dass sie an den Texten in unserem Bulletin Interesse und Gefallen finden. Und vor allem, dass Ihnen die bevorstehenden Osterfeiertage Frieden und Freude bescheren.

„Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offb 1, 17-18)

Im Namen der Redaktion Jana Plíšková

 Bulletin 43 – Ostern DE

Friedensgruß – Gedanken über meinen Studienaufenthalt in den USA

 „Gebt einander ein Zeichen des Friedens.“

7. Jordan Tomes výřez_foto bulletinAls ich den Pfarrer diese Worte sprechen hörte, stand ich auf, bereit zu lächeln und ruhig die Hände der Leute in den benachbarten Bänken zu schütteln, so wie wir es in der Kirche meiner Heimatstadt in der Tschechischen Republik zu tun pflegen. Doch was ich erlebte, war etwas völlig anderes. Die Leute sprangen plötzlich von ihren Plätzen auf. Die Band stimmte unvermittelt ein rasantes Stück an. Alle rannten durch die Kirche, grüßten jeden, der ihnen zufällig über den Weg lief. Viele herzliche Umarmungen, Küsschen und kräftige Handschläge wurden lautstark ausgetauscht. Nachdem dieses Chaos mindestens fünf Minuten angedauert hatte (und alle außer mir mindestens eine Runde durch die ganze Kirche gedreht hatten), schienen die Leute sich langsam wieder zu beruhigen. Als sie schließlich ihre Plätze wiedergefunden hatten, ging der Gottesdienst weiter, als wäre nichts gewesen. Doch ich konnte nicht einfach weitermachen. Ich hatte so viele Fragen! „Was war passiert? Was sollte dieses Chaos mit Zeichen des Friedens zu tun haben? Und am allerwichtigsten: Welche der vielen Einladungen zum Mittagessen, die ich gerade erhalten hatte, sollte ich nur annehmen?!“ Friedensgruß – Gedanken über meinen Studienaufenthalt in den USA weiterlesen

Hoffnung bewahren. Wem und wie eine Spende aus der Fastensammlung hilft

IMG_5386Nach Zaatari, einem der größten Flüchtlingslager der Welt, gelangt man bequem mit dem Auto. Meist fährt man über die Autobahn los, die von Amman, der Hauptstadt Jordaniens, an die syrische Grenze führt. Dort biegt man auf die sogenannte Bagdader Straße ab, fährt durch eine leicht hügelige Wüstenlandschaft und sieht schon von Weitem so etwas wie eine große Stadt. Vor 2012 stand der Name Zaatari für ein kleines Dörfchen. Doch alles änderte sich, als in Syrien die Gewalt des Krieges ausbrach. Nach Jordanien kamen immer mehr Flüchtlinge. Hoffnung bewahren. Wem und wie eine Spende aus der Fastensammlung hilft weiterlesen

Reformationsjubiläum und Wege zur Versöhnung nach der samtenen Revolution

0iluWenn wir und heute fragen, wie die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) mit ihrer veränderten gesellschaftlichen Position seit dem November 1989 umgeht, besonders im Blick auf Versöhnung und Vergebung, könnte der Blick auf die Reformation von Bedeutung sein. Das Reformationsjubiläum, Luthers Auftreten vor 500 Jahren, steht uns noch gut vor Augen. Reformationsjubiläum und Wege zur Versöhnung nach der samtenen Revolution weiterlesen

Ein Pfarrer aus Glasgow in Prag. David Sinclair wird in Zukunft die Beziehungen der EKBB zu englischsprachigen Ländern pflegen

Sinclair DavidZur Pflege der reichhaltigen Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und Kirchen in englischsprachigen Ländern wird Pfarrer David Sinclair aus der presbyterianischen Kirche von Schottland (Church of Scotland) beitragen. Seit Beginn des neuen Jahres arbeitet er in der Ökumeneabteilung der Kirchenkanzlei der EKBB und wird weitere vier Jahre dort verbringen. Er wird sich dort um ausländische Besuche kümmern, deren Programme organisieren und auch Kirchengemeinden zur Verfügung stehen, die eine Partnerschaft mit Kirchengemeinden in englischsprachigen Ländern entwickeln wollen. Ein Pfarrer aus Glasgow in Prag. David Sinclair wird in Zukunft die Beziehungen der EKBB zu englischsprachigen Ländern pflegen weiterlesen

Wege zur Versöhnung und Vergebung in den tschechisch-sudetendeutschen Beziehungen. In persönlicher Blick.

zap_hr (1)Liebt. Vergebt. – „Aber in Bezug auf Sudetendeutsche? Das ist doch nicht so einfach!“ höre ich den Einwand.

Ich (Jahrgang 1952) bin im Sudetenland aufgewachsen, in dem einst deutschsprachigen Dorf Hackelsdorf /Herlíkovice an der oberen Elbe im Riesengebirge. Wir wussten nichts. Nichts von der ehemaligen Zweigstelle des KZs Groß Rosen. Keine Ahnung, was früher die Häuser waren – dass es eine Schule, eine Mühle, ein Geschäft und Kneipen gegeben hatte. Mit anderen Kindern schaute ich neugierig durch die Fenster in die leeren Holzhäuser am Berghang und stocherte mit Stöcken in den Gräben (vielleicht liegt da ein toter Deutscher?). Die Leute kannten sich untereinander nicht, jede Familie von woanders her zugezogen, misstrauisch. Es gab keine Vergangenheit, keine Gemeinschaft. Vielleicht – die Sehnsucht. Wege zur Versöhnung und Vergebung in den tschechisch-sudetendeutschen Beziehungen. In persönlicher Blick. weiterlesen

Entsendung von Kaplanen und neuer Vertrag zur Gefängnisseelsorge. Ein besonderer Ausdruck ökumenischer Zusammenarbeit

Y3A4001Am Tag des tschechischen Gefängniswesens, am 14.12., wurden im vergangenen Jahr 15 neue hauptamtliche und 19 ehrenamtliche Gefängnisseelsorger feierlich in ihren Dienst entsandt. Zum ersten Mal überhaupt wurde das in einem ökumenischen Gottesdienst begangen. Er fand in der Prager Kirche Sv. Václav na Zderaze (St. Wenzel von Zderaz) statt, die im 19. Jahrhundert in der Prager-Neustadt als Stafanstalt diente. Bei der Entsendung legten die Gefängnisseelsorger vor dem Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz Stanislav Přibyl und dem Vorsitzenden des Ökumenischen Rats der Kirchen, Daniel Ženatý, ihre Versprechen ab. Entsendung von Kaplanen und neuer Vertrag zur Gefängnisseelsorge. Ein besonderer Ausdruck ökumenischer Zusammenarbeit weiterlesen

Gedenkorte der Toleranzzeit. Das Erbe hat seinen Wert.

DSCF6766Es ist schade, dass es in Prag keine Dauerausstellung gibt, die sich der Geschichte der Reformation in Böhmen widmet. Im Ausland ist dies üblich – in Frankreich oder Deutschland gibt es eine Reihe von evangelischen Museen, so zum Beispiel auch in Budapest. Sie sind notwendig, um die Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige Reihe an Gedenktagen zu lenken: auf die Kralitzer Bibel, Jan Hus, Hieronymus von Prag, Martin Luther und in diesem Jahr auf die Generalversammlung der tschechischen Protestanten, bei der im Jahr 1918 die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder gründet wurde. Und dann haben wir der Öffentlichkeit etwas zu bieten: Hus und seine Vorgänger als Vorboten der weltweiten Reformation, Jahre des Religionsfriedens und die Brüderunität, die Zeit nach dem kaiserlichen Toleranzpatent und die wirklich einmalige Vereinigung zweier unterschiedlich gewachsener protestantischer Traditionen. Gedenkorte der Toleranzzeit. Das Erbe hat seinen Wert. weiterlesen