Die Wunder des Kirchentages

DSC_0370Voller Eindrücke sind wir vom Kirchentag nach Tschechien zurückgekehrt. Zwischen Himmelfahrt und dem darauf folgenden Sonntag kamen über 100.000 Christen in Berlin und Wittenberg zusammen. Mit orangefarbigen Schals „überfluteten“ sie das Berliner Messegelände, das Stadtzentrum und viele weitere Orte der deutschen Hauptstadt. Auf die Besucher warteten laut Programmheft 2.500 Programmpunkte, unter denen jeder auswählen konnte. Gottesdienste, moderierte Debatten, Konzerte, Ausstellungen, Workshops, Morgenandachten und Bibelarbeiten, Markt der Möglichkeiten. Das erste Wunder ist, dass es gelingt, ein solches Vorhaben überhaupt zu organisieren.

Das Motto des Kirchentages lautete „Du siehst mich“ (Gen. 16,13). Ich hatte den Eindruck, dass die zentralen Podiumsdiskussionen unter diesem Blickwinkel standen. Der Herr sieht uns. Er sieht, was wir machen, ob wir es gut machen, verantwortungsvoll und gerne. Die Diskussionsteilnehmer stellten Fragen und suchten nach Antworten. Wie kann man verhindern, dass Flüchtlinge aus Afrika im Mittelmeer ertrinken? Wie den Kindern von Flüchtlingen Bildung ermöglichen? Was ist mit der sinkenden Stabilität der osteuropäischen Demokratien? Warum kommt es dazu? Wohin führt es? Die Suche nach Antwort war nicht immer leicht, aber sie war offen und nützlich. Das erscheint mir als das zweite Wunder in der heutigen Zeit voller Desinformationskampagnen und medialer Manipulation.DSC_4466

Ein weiteres Wunder ist die Begegnung. Bei den Veranstaltungen, an den Ständen der verschiedenen Organisationen oder nur so – auf der Straße oder in der U-Bahn. Unsere tschechische Gruppe traf sich mit Menschen aus der Gemeinde Johannisthal. Wir haben gemeinsam Gottesdienst gefeiert, die Jugend sang Taizé-Lieder, man redete bis spät in die Nacht im Pfarrgarten bei Erfrischungen, die beide Seiten vorbereitet hatten. Der Prager Schinken duftete bis auf die Straße. Wann sonst oder wo sonst sollten sich Tschechen und Deutsche begegnen? Und hier haben sie sich aus wunderbare Weise getroffen.

Das vierte Wunder in der Reihe ist der Markt der Möglichkeiten. Immer wieder versetzt mich in Staunen, wie viele hundert kleine Organisationen, Gruppen, gemeinnützige oder Hilfs- und caritative Vereine und wie viele darin engagierte Menschen Gutes tun. Umsonst und für andere. Dafür findet man kaum Worte.DSC_4467

Und schließlich – die Gastfreundschaft der Gastgeber, die jemanden zur Übernachtung aufnehmen. Über das Quartierbüro bekommen Sie Kontakt zu jemandem, den Sie in Ihrem Leben nie gesehen haben und derjenige Sie nicht. Trotzdem nimmt er Sie bei sich zu Hause auf und nach einem anstrengenden Tag legen Sie sich in die liebevoll vorbereiteten frisch duftenden Betten. Und noch dazu bekommen Sie morgens zum Frühstück Brötchen mit selbst gemachter Kirschmarmelade wie mein Mann und ich bei Henschels. Nun sagen Sie selbst – ist das kein Wunder?

Daniela Ženatá (Übersetzung Helgunde Henschel)

Es wurde für Weinstock, den Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Bohnsdorf-Grünau geschrieben.