Tschechien in Wittenberg auf der Weltausstellung Reformation

foto Vl Zik (6).JPGDie größte Bibel der Welt, das Panorama einer mittelalterlichen Stadt oder der Segnungsroboter anstatt des Pfarrers. Das waren die Publikumsmagnete der Weltausstellung Reformation, die in Wittenberg an das 500. Jubiläum der europäischen Reformation erinnerte, nämlich an den Moment, als Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass veröffentlichte.

In der Woche vom 30. August bis zum 4. September präsentierten sich dort im Zelt des Lutherischen Weltbundes, das extra für die Ausstellung aufgestellt wurde, die Schlesische evangelische Kirche Augsburger Bekenntnis (SEKAB) und die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB). Die Kirchen boten gemeinsam einen Einblick in die tschechische Reformation und lockten mit Führungen durch zwei Ausstellungen, Gesprächen mit Kirchenleitenden und der Diakonie und auch mit ökologischen und musikalischen Programmpunkten.foto Vl Zik (2)Das Zelt des Lutherischen Weltbunds stand im Luthergarten. Dort wurden von verschiedenen Kirchen Bäume gepflanzt. Die beiden tschechischen Kirchen des Lutherischen Weltbunds haben im Jahre 2011 ihre Bäume gepflanzt, für die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder pflanzte Pfarrerin Lenka Ridzoňova dort einen Ahornbaum.

Im Rahmen dieser tschechischen Woche haben wir ein reiches musikalisches Programm geboten –Musik erklang im Zelt und lud Interessierte hinein. Ein Konzert unter dem Titel „Brass Impressions“ spielte das Blechbläser-Ensemble auf dem Marktplatz im historischen Zentrum von Wittenberg, wo später auch der Chor „Echo“ aus Zlín unter der Leitung des gesamtkirchlichen Kantors der EKBB, Ladislav Moravetz, auftrat. Vor dem Chorkonzerte grüßte Margot Käßmann, EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum, die allein während der Zeit der Jubiläumsvorbereitung dreimal in Prag zu Gast war. In dem Moment, als der Chor ein neues Werk seines Kantors mit Motiven des Lutherlieds „Ein feste Burg ist unser Gott“ sang, erklangen die Glocken der Marktkirche und umrahmten den Gesang mit den Grundtönen des Stückes.

Musik aus der Zeit der Reformation spielte Tomáš Najbrt auf historischen Instrumenten in der Stadtkirche. Dabei erinnerte er daran, dass die Brüderunität in der Renaissance auch deutsche Liederbücher herausgegeben und verwendet hat.

Im Zelt sahen sich interessierte Besucher die zweisprachige Ausstellung über die Reformation in Böhmen an, die das Deutsche Kulturforum östliches Europa entwickelt hatte, um daran zu erinnern, dass die Reformation „mehr als Luther“ ist. Bei zwei Gesprächen trafen sich der Synodalsenior der EKBB Daniel Ženatý und der Bischof der SEKAB Tomáš Tyrlík. Unter anderem hieß es bei diesem Gespräch, dass in dieser heutigen Zeit – ähnlich wie zur Zeit der Reformation – viel Angst herrscht. Die Reformation kann inspirierend sein, wie man auf diese Angst reagieren kann.

Die Weltausstellung wurde im Mai mit der Ankunft des Reformations-Stationen-Trucks in Wittenberg eröffnet. Seit dem letzten Jahr fuhr dieser quer durch Europa in Städte, die mit der Reformation verbunden sind. Die Ausstellung endete am 11. September.

Die Woche, in der sich die tschechischen Kirchen vorstellten, stand unter dem Thema ‚Bewahrung  der Schöpfung‘. Darum bot die EKBB unter der Leitung von Ilona Mužátkova auch interessante ökologische Programmpunkte an. Außer dem Lutherischen Weltbund förderte auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfond und die deutschen Partnerkirchen der EKBB die Präsenz der tschechischen Kirchen in Wittenberg. Die tschechischen Besucher konnten auch durch andere Teile der Weltausstellung schlendern oder Wittenberg besichtigen. Neben dem Bahnhof ragte die größte Bibel der Welt in den Himmel: ein 27 Meter hohes Gerüst, das auf der einen Seite mit der gesamten Lutherübersetzung der Bibel bedruckt war, diente gleichzeitig als Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt.

foto Vl Zik (7)Diese Installation war einer von sieben „Torräumen“, die die Hauptachse der Weltausstellung beschrieben. Thematisch behandelten die einzelnen Teile Spiritualität, Kultur, Gerechtigkeit und Frieden, Globalisierung, Ökumene und Jugend. Die Ausstellung bestand aus 70 Pavillons, Podien, Zelten und Ausstellungsorten, an denen Kirchen oder Vertreter der Gesellschaft ihren Blick auf die Reformation darlegen konnten.

Weitere Publikumsmagnete waren zum Beispiel ein Riesenrad, ein Boot auf dem Schwanenteich, das kürzlich 190 Geflüchtete an die italienische Küste rettete, oder ebenjener Truck, der schon das ganze Jahr durch Europa fuhr, und die Geschichten der Reformation aus vielen europäischen Städten erzählt.

Jana Vondrová, Oliver Engelhardt

Die Reformationsgeschichte tourt auch durch Tschechien

Die zweisprachige Ausstellung, die die Besucher im Zelt in Wittenberg besichtigen konnten, tourt zur Zeit in zwei Exemplaren durch Tschechien und Deutschland. Sie umfasst zehn reich illustrierte Poster, die sich einem weiten Spektrum an Themen widmen: Jan Hus – den Hussiten – den evangelischen Strömungen im 16. Jahrhundert – Martin Luther – den Böhmischen Brüdern – lutherischen Zentren in Böhmen – der religiösen Vielfalt in Mähren – der Gegenreformation – der Zeit des Toleranzedikts – dem Protestantismus im 20. Jahrhundert und Heute. Im Advent wird die Ausstellung in Pardubice und Dvakačovice zu sehen sein. Bis kommenden Sommer wird sie nach Absprache durch weitere evangelische Gemeinden reisen.

Jana Vondrová, Oliver Engelhardt