Chinesische Christen in der Tschechischen Republik

Erklärung des Synodalrats zur Ablehnung der Asylanträge chinesischer Christen

SAMSUNG CAMERA PICTURESNur acht chinesische Christen, die in der Tschechischen Republik um internationalen Schutz gebeten haben, bekamen vom Innenministerium Ende Februar einen positiven Asylbescheid. Die Entscheidung über die Anträge, die die Flüchtlinge Anfang des Jahres 2016 gestellt hatten, wurde mehrmals vertagt, 70 Asylanträge wurden schließlich abgelehnt.

Schon im September 2016 schickte der Vorstand des Ökumenischen Rats der Kirchen in der Tschechischen Republik einen Aufruf an die Mitglieder der Regierung mit der Bitte um eine baldige Genehmigung der Asylanträge. Im März 2018 gab der Synodalrat der EKBB diese Erklärung heraus:

„Wir sind dankbar für die acht anerkannten Asyl-Bewerber. Christen werden in der Volksrepublik China wegen ihres Glaubens verfolgt. Bei einer Abschiebung droht den Asylbewerbern Unterdrückung und Verfolgung. Wir wünschen uns, dass alle 70 Asylbewerber in unserem Land bleiben können und ihren Glauben frei leben können, den sie in ihrem eigenen Land nicht praktizieren dürfen.“

Sprecher der abgelehnten Asylbewerber beschlossen gegen den Bescheid gerichtlich vorzugehen. Dass die Asylbewerber aktiv Interesse an der Integration in die Gesellschaft äußern, indem sie Tschechisch lernen, manche von ihnen einer Arbeit nach gehen, zeigt, dass sie nicht als Wirtschaftsflüchtlinge zu uns kommen, und sich hier ein neues Leben aufbauen wollen. Wir danken allen, die den Asylbewerbern helfen. Wir beten für die chinesischen Christen in ihrem und in unserem Land!

Gemeinschaft und Gebet

Ein paar Asylbewerber aus China wandten sich vor zwei Jahren an die Diakonie der EKBB. Sie suchten jemanden, mit dem sie ihren christlichen Glauben teilen könnten und der ihnen in dem neuen Land zur Seite stehe. In China können viele internationale Organisationen z.B. China Aid, Human Right Watch oder Freedom House, die christliche Motivation ihrer Arbeit nicht frei äußern. Die chinesischen Christen nehmen Tschechien als ein demokratisches Land wahr, das ihnen Glaubensfreiheit ermöglicht. Seit der Begegnung in der Diakonie sind viele freundschaftliche Kontakte entstanden. Man trifft sich in Diakoniezentren und in den Kirchengemeinden. Dort lernen sie Tschechisch, viele suchen Arbeit. Zugleich aber nehmen wir wahr, dass sie große Angst vor einer Abschiebung haben.

Eine Andacht für verfolgte Christen in China

Mit dem Entzünden der Kerzen und mit Klängen eines chinesischen Liedes begann die interreligiöse Andacht am 16. März am Denkmal für die Opfer des Kommunismus in Prag am Fuße des Petrin-Bergs. Diese öffentliche Andacht machte auf die Situation der chinesischen Christen aufmerksam, deren Asylanträge abgelehnt wurden, und erinnerte an die Situation weiterer ethnischer und religiöser Minderheiten in China. Die Zahl 70, aus weißen Kerzen geformt, symbolisierte die Anzahl der Menschen, deren Asylanträge nicht bewilligt wurden; Asyl bekamen nur acht von ihnen. Die Zahl war von roten Kerzen umrahmt, in Form eines Herzes.

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„Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“ Mit diesem biblischen Vers aus Sprüche 3,27 eröffnete der Pfarrer für Minderheiten der EKBB Mikuláš Vymětal die ökumenische Andacht. Pfarrer und Mitglied des Synodalrats Pavel Pokorný lud zum Nachdenken ein. „Wenn China einmal ein freies Land sein wird, und es wird so kommen, werden die Enkel der Zeitzeugen des Totalitarismus fragen: „Wer hat euch geholfen? Was machte das christliche Europa? Was machten die Länder, die selbst am eigenen Leib erlebten, was es heißt, in Unfreiheit zu leben?“ Und die Zeitzeugen werden antworten: „Niemand stand uns bei, sie haben schön von Freiheit und christlichen Werten geredet, aber niemand nahm uns auf.“ Und ihre Stimmen werden bis zu den Ohren unserer Enkel hier dringen und sie werden sich für uns schämen.“

SAMSUNG CAMERA PICTURESBei der interreligiösen Andacht sprachen auch Vertreter der jüdischen und der muslimischen Gemeinde und es wurde auf Chinesisch und auf Tschechisch gebetet. Am Ende läuteten die Glocken der nahen katholischen und evangelischen Kirche.

Der Dank der chinesischen Christen

Aus einem Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind chinesischen Christen, die um Asyl in der Tschechischen Republik bitten. Wir möchten allen danken, die uns helfen, die uns mit Liebe begegnet sind.

Im Februar 2018, als 70 chinesischen Christen den Bescheid über den abgelehnten Asylantrag bekamen, waren wir enttäuscht und unsere Herzen waren voll Angst und Furcht, dass wir nun nach China abgeschoben werden. Aber sofort danach haben wir die Unterstützung vieler Tschechen  bekommen. Der Ausdruck der Liebe brennt in uns, hilft uns, damit wir uns nicht fürchten vor der eisigen ablehnenden Entscheidung. Ihr gabt uns das Vertrauen, damit wir weiter gehen können.

„Habt keine Angst, wir werden für euch kämpfen.“, sagten uns freiwillige Mitarbeiter der Diakonie. Also fürchteten wir uns nicht so sehr. Verschiedene Petitionen haben unseren Mut erhöht, in Tschechien zu bleiben, viele Menschen helfen uns leise. Jede Unterstützung und jeder Ausdruck von Zuwendung gibt uns große Kraft. Vor zwei Jahren sind wir in die Tschechische Republik gekommen mit der Sehnsucht nach Demokratie und Freiheit, zugleich waren wir verloren und ängstlich in einem unbekannten Land. Wir danken Gott für seine Rettung, es sind hier so viele gute Menschen, die uns unterstützen. Dank euch sind wir nicht allein und dank euch geben wir nicht einfach auf. Wir danken euch nochmal. Gott segne euch!“

Jana Vondrová, JIří Hofman