Ein Tag für Kuba 2018. Wir verteidigen Menschenrechte

DSC_1389Ein Land, aus dem die besten Zigarren stammen. Ein Land mit einer wunderbaren Natur. Ein Land, in dem man hinter Gitter kommt, ohne dass man etwas Schlimmes verbrochen hat. Ein Land, in dem man eine staatliche Erlaubnis braucht, um ein Auto zu kaufen. Das alles sind verschiedene Gesichter Kubas.

Der Kuba-Tag, der am 20. März in Prag stattfand, will auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, nicht nur auf der Insel, sondern auch weltweit.

Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder und die tschechische Organisation „Člověk v tísni“ (Mensch in Not) veranstalteten diesen Tag bereits zu siebten Mal. Das diesjährige Motto lautete: „Wir verteidigen Menschenrechte“.

Den Auftakt machte ein ökumenischer Gottesdient in der Kirche St. Martin in der Mauer. Danach zog die Menschenmenge mit weißen Blumen und weißen Regenschirmen durch die Stadt. An verschiedenen Stellen blieben die Teilnehmenden stehen und legten eine Blume ab, mit Hinweisen zu bestimmten Menschenrechtsverletzungen.

DSC_1363Am Abend ging es in der Václav-Havel-Bibliothek mit einer Podiumsdiskussion weiter. Auf dem Podium saßen Vertreter von Člověk v tísni, dem tschechischen Helsinki-Komitee und Amnesty International, außerdem der ehemalige Präsidentschaftskandidat  und Bürgerrechtler Marek Hilšer, sowie Peter Morée von der Evangelisch-Theologischen Fakultät Prag. Die Diskussion wurde moderiert von Jiří Schneider, dem Leiter des Aspen Institute Central Europe, sowie Mitglied im Synodalrat der EKBB.

Die Organisation „Člověk v tísni“ setzt sich bereits seit den 1990er Jahren für Kuba ein. „Wer sich für Menschenrechte engagiert, bringt sich und seine Familie in Gefahr. Einer Reihe von Dissidenten ist es in der letzten Zeit nicht einmal mehr erlaubt, im Land zu reisen, geschweige denn ins Ausland. Und die normale Bevölkerung ist immer mehr polizeilicher Gewalt oder falschen Unterstellungen ausgesetzt. Darum ist es auch heute so dringend notwendig, dass wir über Kuba sprechen und unsere Solidarität mit den Kubanern ausdrücken, weil ihre Rechte mit Füßen getreten werden.“, beschreibt Lucia Argüellová von „Člověk v tísni“ die Situation.

 Alles, was auf Kuba unabhängig ist, sei anti-staatlich und wird verfolgt. Es gibt sogar einen Strafbestand, der sich „vorkriminelle Gefahr“ (Schutzhaft) nennt. „Wenn jemand gefährlich aussieht, kann man jemanden auch verhaften, bevor er eine Straftat begangen hat. Es ist extrem einfach, jemanden ins Gefängnis zu bringen.“, fuhr Lucia Argüellová fort.

Es wurde auch über Menschenrechtsverletzungen in den Kriegsgebieten gesprochen, in Syrien und in der Ukraine, oder über die Situation in China, in Tibet, in Russland oder Polen. Auf dem Podium wurde gefragt, welche Rolle beim Verteidigen von Menschenrechten der Zivilgesellschaft und der Diplomatie demokratischer Staaten zukommt, wozu auch die tschechische Diplomatie zählt. Táňa Fischerová, vom tschechischen Helsinki-Komitee meinte: „Wohin unsere aktuelle Außenpolitik abdriftet, ist eine Schande. Nach der Revolution 1989 schlugen wir einen guten Weg ein, unser Land wurde ernst genommen, der Respekt gegenüber der Tschechischen Republik war spürbar, und die Menschen waren dankbar, dass wir etwas für sie getan haben, egal ob auf Kuba, in Belarus, oder in Bosnien. Heute aber geht unser Land in eine Richtung, die uns so nicht gefällt. Der aktuelle Diskurs in den Medien und in der Politik scheint die Sicht auf die allgemeinen Menschenrechte wieder so zu verändern, wie sie zu Zeiten vor 1989 war.“

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Mit dem Tag für Kuba wird daran erinnert, dass im März 2003 auf Kuba 75 führende Dissidenten inhaftiert wurden und zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Freigelassen wurden sie vorzeitig im Jahre 2010; die Mehrheit ging unter dem Druck der Regierung ins Exil.

 Jana Vondrová