Tschechisch-ungarische Diskussionen zur Rolle der Kirche in der Gesellschaft

2_IMG_20180228_083431Leitende Vertreter der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) und der evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn (ELKU) trafen sich Ende Februar in Brünn. Sie sprachen unter anderem über das Schulwesen und die Finanzierung der Kirchen oder über Fragen der nationalen Identität.

In der Eröffnungsandacht rief der Stellvertreter des Synodalseniors der EKBB, Pavel Pokorný, ins Gedächtnis, dass das Treffen in der Fastenzeit stattfindet, die eine Zeit der Läuterung sei und nach dem Propheten Sacharja seien „Götzendienst, Lüge und Täuschung das, was man als unrein ablegen muss“. Der Bischof der ELKU, Tamás Fabiny, sprach in seiner Andacht über Freiheit und Knechtschaft: „Auch in der ersehnten freien Welt kann sich alles in sein Gegenteil verkehren.“

Der Brünner Pfarrer und Senior in Südmähren, Jiří Gruber, stellte den Gästen das evangelische Leben in der Stadt Brünn vor und lud alle zu einer Besichtigung der dortigen  Roten Kirche ein, welche die EKBB nach dem Zweiten Weltkrieg von der Deutschen Evangelischen Kirche übernommen hatte. Einen Gruß an die Teilnehmer sprach auch der Rektor der Masaryk-Universität Brno, Mikuláš Bek.

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Dass sich beide Kirchen so nahe stehen, ergibt sich aus der protestantischen Geschichte während der Donau-Monarchie und aus dem gemeinsamen Weg beider Länder in der Zeit des Kommunismus. Die Vertreter beider Kirchen besprachen vor allem aktuelle Themen der derzeitigen Lebenssituation. Im Vordergrund standen Fragen der nationalen Identität oder die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft. Es wurde auch über das Schulwesen und die Finanzierung der Kirche gesprochen. Schließlich bekräftigten die Teilnehmer ihre gute Zusammenarbeit und waren sich darin einig, dass die inspirierenden Dialoge fortgesetzt werden sollten. Die ungarischen Freunde luden den Synodalrat der EKBB zu einem weiteren Treffen ein, das Anfang des Jahres 2019 im ungarischen Györ stattfinden soll.

Oliver Engelhardt