Film und Diskussionsabende zum Thema „berühmte Protestanten“

4. KVH.1Im selben Jahr, in dem die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder ihr Jubiläum feiert, gedenkt auch die Tschechische Republik des Falls der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Entstehung unserer unabhängigen Republik vor hundert Jahren. Die tschechischen Protestanten sind mit der modernen Geschichte des Landes signifikant verbunden und das von Anfang an. Bis heute sind sie manche von ihnen bekannt als markante Staatsmänner, Denker, Menschenrechtsaktivisten oder Gegner des kommunistischen Regimes.

An drei Herbstabenden konnten sich die Besucher der Václav-Havel-Bibliothek im Zentrum Prags an diese Persönlichkeiten erinnern. Sie waren eingeladen zu drei Filmabenden und anschließender Diskussion mit Gästen.

Der erste tschechoslowakische Präsident Tomáš Garrigue Masaryk wurde im September durch einen Dokumentarfilm und einzigartige hundert Jahre alte Aufnahmen aus dem Nationalen Filmarchiv vorgestellt. Über Masaryks evangelischen Glauben, seine Beziehung zur Familie und auch dessen Universitätstätigkeit sprach anschließend Michal Stehlík, der stellvertretende Direktor des Nationalmuseums.

Während des Treffens im Oktober konnten die Besucher einige authentische Aufnahmen des konstruierten politischen Prozesses gegen Milada Horáková sehen. Die Vertreter des kommunistischen Regimes beschuldigten sie im Jahre 1950 fälschlich des Hochverrats und verurteilten sie in einem manipulierten Gerichtsverfahren vor den Objektiven propagandistischer Kameras zum Tode. Die tapfere Protestantin Milada Horáková wurde zum Symbol des Widerstands gegen die Totalität der regierenden Kommunistischen Partei und auch zum Beispiel für unglaublichen persönlichen Mut und Kampf für die Wahrheit. An dem Abend erzählte die Historikerin Dana Musilová mehr über sie.

Im November gedachten die Teilnehmer des jungen Philosophiestudenten Jan Palach, der sich im Januar 1969 aus Protest gegen die sowjetische Okkupation der Tschechoslowakei selbst verbrannte. Seine Beerdigung wurde zu einer nationalen Manifestation und 20 Jahre später setzte die sogenannte Palach-Woche eine Welle von Demonstrationen in Gang, die ihren Höhepunkt in der bekannten Samtenen Revolution fanden. An Palach wurde in einem neuen abendfüllenden Film erinnert, der unter anderem auch in seiner Heimatkirche gedreht wurde. Der jetzige Synodalsenior der EKBB, Daniel Ženatý nahm darin die Rolle des damaligen Pfarrers von Palach, Jakub S. Trojan, ein. An der Diskussion nahmen der Hauptdarsteller des Films Viktor Zavadil und der Historiker Jakub Jareš teil.

Alle drei Film- und Diskussionsabende stießen auf reges Interesse; im Saal blieb nie ein Platz frei und die Besucherzahl aller drei Abende ging gegen Vierhundert.

Jiří Hofman