Gott hat den Fremdling lieb

DSC_0627Jesus als Flüchtling. Die Migranten Sarah und Abraham. Josef in den Händen von Menschenhändlern. Die Wirtschaftsmigrantin Ruth. Gott als Gast. Und was ist mit denen, die heute auf dem Weg, auf der Flucht oder in einem fremden Land sind?

 Das sind die Bilder, die uns die Ausstellung „Gott hat den Fremdling lieb“ vor Augen stellt. Ihre primäre Aufgabe ist es, die biblische Auffassung von Gastfreundschaft zu präsentieren – die Liebe zu den Kommenden, Gästen und Ausländern (philoxenia). Sie fragt nach unserer Beziehung zu den Menschen auf der Flucht und den Menschen, die Asyl suchen, und als Begründung zieht sie biblische Texte heran, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Sie erzählt Geschichten verschiedener biblischer Figuren und beschreibt ihre Erfahrungen auf dem Weg, weit weg von der Heimat, die Erfahrungen des Fremdseins. In welchem Licht sieht die Schrift Ausländer, Solidarität oder Gastfreundschaft? Sollen wir Fremde willkommen heißen oder nur tolerieren? Sie zu unseren Gästen machen oder ihnen nur zum Überleben helfen? Menschen auf der Flucht sind zwar nicht mehr in den Schlagzeilen präsent, aber sie sind nicht vor den Mauern Europas und seiner Staaten verschwunden. Sie suchen immer noch ihren Platz zum Leben. Die Ausstellung zeigt: wenn wir die (oft missbrauchte) Wortverbindung „christliche Werte“ ernst nehmen, dann gehört freundliche Aufmerksamkeit gegenüber Ausländern, besonders denen in Not, ganz gewiss dazu.

 Inspiration bei den Nachbarn in Österreich

Die EKBB bereitete die Ausstellung zusammen mit der Österreichischen Bibelgesellschaft, mit Hilfe des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Gustav-Adolf-Werk e.V. vor. Außer in Deutschland wurde die Ausstellung auch in Ungarn, Rumänien und Frankreich gezeigt, ursprünglich kommt sie aber aus Österreich. Hier wurde sie schon im Jahr 2012 von der Österreichischen Bibelgesellschaft geschaffen, die sie der EKBB kostenlos für eine tschechische Adaptation zur Verfügung gestellt hat.

Die Ausstellung hat die Form von zwölf großformatigen Plakaten (80 x 200 cm). Jedes Plakat beinhaltet Fotos, Bilder und Bibelverse zum Thema und einen Text auf deutsch und tschechisch, der die biblische Erfahrung des Ausländerseins thematisiert. Vom ersten bis zum letzten Plakat legt der Besucher symbolisch einen ganzen Weg zurück – von der Entscheidung, die Heimat zu verlassen, über leidvolle Wanderschaft bis hin zu den Problemen, die mit der Ankunft in einer neuen Umgebung verbunden sind.

 Ab Oktober wandert die Ausstellung zwischen den einzelnen Gemeinden der EKBB und wird auch Schulen und anderen Interessenten aus der ganzen Republik zur Verfügung gestellt. Sie will eine christliche Stimme in die tschechische öffentliche Diskussion einbringen. In einer Situation, in der wir täglich mit ablehnenden Meinungen politischer Repräsentanten und schnellen Lösungen nach dem Grundsatz Null Toleranz konfrontiert sind, sollten wir als Christen die Schwerpunkte und Herausforderungen, die der Bibel entspringen, hören und öffentlich machen.

Die Vernissage der Ausstellung fand am 26. September in der Kirchengemeinde Prag-Střešovice statt und bei dieser Gelegenheit gab es auch eine Diskussion mit Menschen, die selbst mit Migration und Flüchtlingen Erfahrungen haben.

Den Abend begleiteten einige Musiker aus Syrien und Usbekistan und eine willkommene Bereicherung waren auch die typischen ausländischen Spezialitäten: ukrainischer Borschtsch, gefüllte Piroggen oder Gebäck nach irakischer Rezeptur. Alles wurde von Ausländern vorbereitet, die in der hiesigen Gemeinde der EKBB früher einen Zufluchtsort gefunden haben und nach und nach zu Mitgliedern oder Freunden geworden sind.

Der Synodalrat veröffentlichte im Juli 2018 zur Situation der Flüchtlinge in der Tschechischen Republik eine Stellungnahme, in der er seine Besorgnis über die Haltung der tschechischen Regierung zum Ausdruck brachte. Ganz konkret handelte es sich in diesem Fall um eine Gruppe von 450 Menschen, die in einem Fischerboot nahe dem italienischen Ufer festsaßen. Die tschechische Regierung lehnt nach den Worten ihres Premiers vom Juli diesen Jahres den dringenden Antrag der italienischen Regierung ab und wird keinem der Migranten helfen. In der Stellungnahme des Synodalrates heißt es:

„Mit ihrer ablehnenden Position verrät die Tschechische Republik die Grundsätze der zivilisierten Welt, zu der sie gehören möchte und die u.a. in der Tradition und auf den Werten des christlichen Glaubens steht. Wir sind überzeugt, dass unser Staat fähig ist, in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Partnern und Institutionen effektiv gegen Wirtschaftsmigration und organisierten Menschenhandel vorzugehen. Gleichzeitig vertrauen wir den staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen und glauben, dass unsere Gesellschaft über genug Selbstvertrauen, moralische Kraft und effektive Mechanismen für die Unterstützung der wirklich Hilfsbedürftigen verfügt. Die Worte Jesu von der Hilfe für den Nächsten in Not sind im Evangelium sehr deutlich. Angesichts der lebensbedrohlichen Lage konkreter Menschen dürfen wir nicht achtlos und gleichgültig bleiben.“

Michael Pfann, Jiří Hofman