Pavel Smetana (1937–2018)

13 Pavel-Smetana_260x260Der der ehemalige Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) Pavel Smetana starb am 4. 10. 2018 im Alter von 81 Jahren.

Pavel Smetana wurde am 14. Juli 1937 in Klokočov geboren. Nach seinem Studium an der Evangelisch-Theologischen Comenius-Fakultät in Prag wurde er im Jahr 1964 in Hošťálková zum Pfarrer ordiniert. Im Jahr 1987 wurde er zum Stellvertreter des Syondalseniors gewählt und folgte im Jahr 1991 Josef Hromádka im Amt des Synodalseniors. Er stand zwei Amtszeiten bis 2003 an der Spitze der EKBB. In den Jahren 1995 bis 2000 war er zugleich Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen in der Tschechischen Republik.

Auf viele Menschen hatte Smetana großen Einfluss, insbesondere auf Menschen in der Ökumene sowie in den deutsch-tschechischen Beziehungen. Daher veröffentlichen wir hier Erinnerungen des langjährigen Ökumene-Referenten der EKBB, Gerhard Frey-Reininghaus:

Wir haben einander Anfang der neunziger Jahre kennengelernt, in einer Zeit, als ich zusammen mit anderen ein neues Gebäude für die Evangelisch-theologische Fakultät der Karlsuniversität suchte. Ich half Dekan Jakub Trojan in der Kommunikation zunächst mit deutschen Kirchen und diakonischen Einrichtungen und nach und nach auch mit der Ökumene in Europa, in den USA und Südkorea. Von Anfang war Pavel Smetana für die Fakultät der wichtigste kirchliche Partner. Sehr freundschaftlich empfing er die Partner aus dem Ausland und unterstützte die Bemühungen, ein neues Gebäude zu finden, das den Anforderungen der immer größeren Zahl von Studierenden gerecht wurde. Als sich schließlich ein geeignetes Gebäude in der Černá Gasse fand, war klar, dass die Frage der Finanzierung von der Kirche gelöst werden musste, da die Kirchen im Ausland nur Kirchen unterstützen konnten und nicht staatliche Institutionen. Für den Synodalrat war dies eine sehr schwere Entscheidung, weil die benötigten finanziellen Mittel bis jetzt nur zum Teil zur Verfügung standen. So war es klar, dass die Kirche sich verschulden musste. Dies war ein großes Dilemma und Pavel Smetana wusste, dass sein Wort in dieser Sache entscheidend war. Er hatte viele schwere Nächte und schlussendlich waren es sein Glaube an Gott und die Unterstützung der Freunde, dass er dem Kauf zustimmte.

Die Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen war für Pavel Smetana eine Herzensangelegenheit und er tat viel für die Versöhnung mit großer Demut und Aufrichtigkeit. Die erste wichtige gemeinsame Erfahrung war für mich der tschechisch-deutsche Gottesdienst in der Kirche St. Martin in der Mauer zum 50. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs im Mai 1995. Eine wichtige Rolle spielte die bemerkenswerte Erklärung des Synodalrates zum Thema der Aussiedlung der Sudentendeutschen nach dem Krieg. Sie wurde vom Beratungsausschuss des Synodalrates für gesellschaftliche und internationale Angelegenheiten vorbereitet und widmete sich der gesamten Geschichte von Tschechen und Deutschen in den Böhmischen Ländern. Die Erklärung endet mit der Feststellung, dass nach allem, was sich während des Krieges und danach ereignete, es nötig ist, Schuld zu bekennen, wo wir uns verschuldet haben, um Vergebung zu bitten und einen neuen Anfang zu machen auf der Grundlage von Gottes Vergebung und Gnade. Dies war auch die Überzeugung von Pavel Smetana, und auf dieser Grundlage lebte und handelte er. Sehr deutlich erinnere ich mich zum Beispiel an ein sehr bemerkenswertes Gespräch, sehr offen und aufrichtig, das Pavel Smetana im Jahr 1996 in Bad Alexandersbad mit Sudetendeutschen führte. Freundlich und mit Demut, aber auch sehr klar setzte er sich mit den harten Fragen der Sudetendeutschen auseinander, die vorher wohl nie so mit einem Tschechen gesprochen haben. Im Dezember 2000 erhielt Pavel Smetana für seine Verdienste für die Versöhnung und sein Engagement für gute tschechisch-deutschen Beziehungen das große Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens aus den Händen des deutschen Botschafters in der Tschechischen Republik Hagen Graf Lambsdorff. Im Jahr 2002 wurde ihm von Präsident Václav Havel der Masaryk-Orden verliehen.

Pavel Smetana hat die Beziehungen mit den Kirchen in Deutschland sehr gerne gepflegt. Er hat gerne in Deutschland gepredigt und hat immer wieder den Dialog gepflegt über die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft nicht nur in den tschechisch-deutschen Beziehungen, aber auch in den Fragen des Glaubens, der Mission und der Bedeutung des Evangeliums für die heutige Welt. Er sprach gut Deutsch und vermochte es, sich auch in schwierigen Fragen gut auszudrücken. Er unterstützte sehr die Arbeit der tschechisch-deutschen Kommission von EKBB und EKD, die ihre Arbeit im Jahr 1996 aufgenommen hat und 1999 mit dem Buch „Der trennende Zaun ist abgebrochen“ beendet hat. Auf der Grundlage der Anregung von Pavel Smetana auf der EKD-Synode im Jahr 2003 in Trier wurde eine weitere Arbeitsgruppe von EKBB und EKD eingerichtet, und zwar zum Thema der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Kindern im Grenzbereich. Diese Arbeitsgruppe arbeitete einige Jahre und hat eine tschechisch-deutsche Erklärung zum Thema vorberietet, die von den Synoden der EKD, der EKBB und der evangelischen Kirchen in Österreich angenommen wurde.

Pavel Smetana hat sich auch in der Stiftung „Memento Lidice“ engagiert, die den Bau des Hauses „Oaza“ in Lidice vorbereitet und realisiert hat, ein Ort für Begegnung, Gottesdienst, Seminare und Wohnraum für Senioren. Im November 2018 sind es schon 20 Jahre, dass dieses Haus der Versöhnung eröffnet wurde. Pavel Smetana war der geistliche Vater dieses Projektes, zusammen mit dem römisch-katholischen Bischof František Radkovský und Pfarrer Dr. Ernst Uhl aus Bremen.

Der irdische Weg von Pavel Smetana ist zu seinem Ende gekommen, doch seine Spuren bleiben im Herzen und Glauben von vielen, auch bei mir.

Gerhard Frey-Reininghaus