Strategieplan der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder

ZDSC_0189Allgemeine Informationen über die Tschechische Republik:

  • Einwohner: 10 580 000
  • Katholiken: ca. 20 %
  • Andere Kirchen, vor allem protestantische: ca. 2 %
  • Andere Religionen insgesamt: bis zu 2 %

(Bei der letzten Volkszählung (Zensus) wurde auch nach dem religiösen Bekenntnis gefragt. Die Beantwortung dieser Frage war aber freiwillig und fast die Hälfte der Bevölkerung beantwortete die Frage nicht, weshalb die Zahlen nur geschätzt sind.)

 Allgemeine Informationen über die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB):

  • Anzahl der Gemeinden: 250
  • Anzahl der Mitglieder nach den Verzeichnissen der Gemeinden: 71 000
  • Anzahl der Mitglieder, die mindestens einmal im Jahr einen finanziellen Beitrag leisten: 21 000–25 000
  • Durchschnittliche Teilnehmerzahl im sonntäglichen Gottesdienst (gesamtkirchlich): 10 100
  • Durchschnittliche Teilnehmerzahl im sonntäglichen Gottesdienst (pro Gemeinde): 40 

Strategischer Plan bis zum Jahr 2030

Dieser Plan wurde nach dreijähriger Arbeit auf der Synode der EKBB im Mai 2019 angenommen. Er ist das erste Dokument dieser Art, das in der EKBB erstellt wurde.

Die hauptsächlichen Anstöße zu seiner Vorbereitung, Diskussion und Annahme waren:

1. Die Unzufriedenheit eines Teils der Kirche mit einigen Aspekten im Leben der EKBB

Viele Gemeinden der EKBB sind lebendig und offen, sind aktiv im Bereich Gottesdienst, Katechese, Treffen kleinerer Gruppen, Seelsorge, ehrenamtlicher und institutioneller Diakonie, Mission …

Der Zuwachs an neuen Mitgliedern in diesen (v. a. städtischen) Gemeinden ist jedoch geringer als der Mitgliederverlust in anderen (meist ländlichen) Gemeinden.

Dabei nimmt in der heutigen Zeit das Interesse an verschiedensten (oft alternativen, esoterischen, neo-heidnischen oder eklektischen) Formen der Spiritualität in der tschechischen Gesellschaft stark zu. Auf diese spirituelle Sehnsucht im Umkreis unserer Gemeinden gelingt es uns mit unserer christlichen Botschaft jedoch nicht so zu antworten, wie wir uns das wünschen.

2. Die finanzielle Trennung vom Staat

Die EKBB befindet sich derzeit in einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation. Bis 2012 bestand etwa die Hälfte ihres Budgets aus einem staatlichen Beitrag. Das war ein Überbleibsel der Regelungen aus kommunistischer Zeit. Schon um 1950 herum hatte der totalitäre Staat den größten Teil des kirchlichen, insbesondere des katholischen Eigentums beschlagnahmt. „Im Gegenzug“ verpflichteten sich die Kommunisten, einen Teil der Ausgaben der Kirche zu decken, in erster Linie die Gehälter der Geistlichen; natürlich waren diese Gehälter sehr niedrig.

Im Jahr 2013 trat ein neues Gesetz über die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen in Kraft. Der Staat verpflichtete sich, den Teil des einst von den Kommunisten gestohlenen Kirchenbesitzes, der noch zurückgegeben werden konnte, so bald wie möglich zurückzugeben. Das betraf in erster Linie die römisch-katholische Kirche. Für das Eigentum, das nicht mehr zurückgegeben werden kann, zahlt der Staat im Zeitraum 2013 bis 2042 schrittweise in 30 Raten eine Entschädigung an die Kirchen. Die römisch-katholische Kirche verzichtete zugunsten anderer, kleiner Kirchen auf einen Teil dieses Geldes. Nur aus diesem Grund fand die Lösung (also die Restitution und gleichzeitig die finanzielle Trennung von Staat und Kirchen) ökumenische und politische Unterstützung. Der Staat bezahlt also den gestohlenen Kirchenbesitz, verringert allerdings gleichzeitig den bisherigen Zuschuss an die Kirchen, insbesondere zu den Gehältern der Geistlichen.

Somit verfügt die EKBB vorübergehend über mehr Ressourcen. Es ist jedoch klar, dass sie ab 2030 weniger Geld vom Staat erhalten wird und ab 2042 gar nichts mehr. Und das macht es sehr schwierig, das Dasein der Kirche und den kirchlichen Dienst langfristig zu planen: Soll man schneller zur Eigenfinanzierung gelangen und damit zwar ein größeres Investitionspolster für die Zukunft mit vollständiger Eigenfinanzierung gewinnen, gleichzeitig aber die Unabhängigkeit kleinerer Gemeinden und ihrer Pfarrstellen verlieren? Oder soll man langsamer zur Selbstfinanzierung übergehen, um kleineren Gemeinden die Möglichkeit zu geben, ihre Pfarrstellen länger zu erhalten, aber in Zukunft nur noch mit den laufenden Beiträgen der aktiven Mitglieder wirtschaften?

Die zentralen Themen des Strategieplans

In diesen Zeiten des Umbruchs legt der Strategieplan sieben Hauptthemen fest. Jedem Thema ordnet er Teilziele und Aufgaben zu:

  1. Die lebendige Gemeinde
  2. Religiosität als Pflege des Glaubens
  3. Klarheit und missionarische Offenheit
  4. Schlüsselpersonen
  5. Der Übergang zur Eigenfinanzierung
  6. Diakonie, Kapläne und Evangelische Akademie
  7. Effektive Leitung und Wirtschaftsführung

zu 1) Die lebendige Gemeinde

Nach protestantischer Auffassung hat die Gemeinde vor Ort für den christlichen Glauben entscheidende Bedeutung. Deren grundlegende Aufgaben und Funktionen sind folgende (frei nach Apostelgeschichte 2,41–47): Gottesdienste feiern und Katechese, eine Glaubensgemeinschaft bilden, diakonisch dienen und Zeugnis ablegen. Im ersten Punkt des Planes werden Maßnahmen vorgeschlagen, um das Leben und den Dienst in unseren 250 Gemeinden zu unterstützen. Hier werden Beispiele und Erfahrungen für gut Gelingendes aus der ganzen Kirche zusammengetragen. Außerdem geht es um die Stärkung der Kompetenzen von Pfarrern und Kirchvorstehern für den Gemeindeaufbau.

zu 4) Schlüsselpersonen

Dieser Punkt ist den Menschen gewidmet, die in den Gemeinden am wichtigsten sind: Presbyter und Kuratoren, Hilfsprediger und Pfarrer. Jedes Seniorat und auch die ganze Kirche sollte mehr und dauerhaft Hilfsprediger (theologische Laien) unterstützen, deren Zahl deutlich steigt.

Für die Pfarrer planen wir:

- mit der aktiven evangelischen Jugend mehr über die Schönheit und Bedeutung der Arbeit eines Pfarrers zu kommunizieren, um die Zahl der Theologiestudenten zu erhöhen,

- mit der Theologischen Fakultät der Karlsuniversität über eine mögliche inhaltliche Änderung des Theologiestudiums zu verhandeln, um den Bedürfnissen und der Praxis der Kirche näherzukommen,

- die Pfarrgehälter zu ordnen und auf das Niveau des Durchschnittsgehalts in der Tschechischen Republik anzuheben.

zu 5, 6) Die Ebenen der Seniorate und Kirchen

In Punkt 5 des Strategieplans werden die grundlegenden Herausforderungen für den Übergang zur Eigenfinanzierung umrissen: Information der Leiter der Gemeinden über verschiedene Finanzierungsquellen und Festlegung angemessener Regeln für unterschiedliche Konstellationen von pastoralen Arbeitsverhältnissen. In Punkt 6 widmen wir uns der weiteren Zusammenarbeit mit den 34 diakonischen Zentren, sieben evangelischen Schulen und mit Institutionen, in die wir Kapläne senden (Gefängnisse, Krankenhäuser, Armee).

Was erwarten wir vom Strategieplan?

Der Strategieplan ist ein neues Instrument für die Leitung und Verwaltung der EKBB. Von selbst bietet er freilich keine Lösung für alle gegenwärtigen Sorgen unserer Kirche, aber er kann eine gute Hilfe für die Arbeit der Kirchenleitung und für die Unterstützung des Lebens in den Gemeinden sein. Ob er sich bewährt und in Zukunft weiterhin verwendet wird, werden wir erst in einigen Jahren beurteilen können.

Roman Mazur, Vorsitzender der Strategischen Kommission