Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient

deklarace-PLAm 17. September 2019 trafen sich in Warschau Vertreter von fünf evangelischen Kirchen aus Mitteleuropa, um über die aktuelle Situation in unserer Region zu sprechen. Die leitenden Geistlichen der beteiligten Kirchen unterzeichneten dabei eine gemeinsame Absichtserklärung, in der unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Kirchen in der Region vereinbart wurde.

Die Begegnung fand im Kontext einer Konferenz statt, die tags zuvor von der Evangelisch-augsburgischen Kirche in Polen und vielen weiteren Kooperationspartnern unter dem Titel „Wir schaffen Frieden“ organisiert worden war. Dabei wurde die Demokratiedenkschrift der EKD sowie weitere Dokumente vorgestellt und in ökumenischer Offenheit der Zusammenhang von Glaube und Demokratie diskutiert.

Ein Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit enthält auch die gemeinsame Erklärung. Die leitenden Geistlichen betonen darin, dass die evangelischen Kirchen in Mitteleuropa an den drängenden Fragen unserer Zeit, wie der Bewahrung der Schöpfung sowie dem friedlichen Zusammenleben von Menschen, Nationen und Religionen beitragen wollen. Als Minderheitskirchen wollen sie ihre Stimme mit prophetischem Zeugnis hören lassen. Ähnliche Begegnungen sollen von nun an jedes Jahr stattfinden, wobei die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder im Herbst 2020 dazu einladen möchte.

Ganzer Text der Erklärung:

Gemeinsame Erklärung der leitenden Geistlichen

Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (CZ)

Schlesische Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (CZ)

Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Slowakei

Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen

Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn

„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. (….) Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.” (Röm. 14, 17. 19; Lutherbibel 2017)

Während der Konferenz „Wir schaffen Frieden”, die am 16. September 2019 in Warschau stattgefunden hat,

  • im Bewusstsein der uns verbindenden Geschichte und geographischen Lage, insbesondere der Grausamkeiten, die Mitteleuropa im 20. Jahrhundert durchlitten hat,
    30 Jahre nach der Befreiung von kommunistischer Gewaltherrschaft
  • unter Berufung auf die gemeinsamen Werte, die in unserem christlichen Glauben und unserem evangelischen Erbe wurzeln und unser Handeln in Freiheit und Verantwortung bestimmen,
  • basierend auf der Gemeinschaft, die wir im Rahmen des Lutherischen Weltbundes bilden,

erklären wir unseren Willen zu engerer Freundschaft und Zusammenarbeit unserer Kirchen in der Region, um Zeugnis zu geben von unserem Glauben, unserer Hoffnung und Liebe, die sich aus der befreienden und heilenden Kraft von Gottes Liebe ergeben, die im auferstandenen Christus zum Ausdruck gekommen ist.

erklären wir unseren Willen zur Bewahrung der Schöpfung und zum respektvollen Zusammenleben der Menschen, Nationen und Religionen in Europa beizutragen und dass unsere Kirchen die Grundsätze der Demokratie und des Rechtstaates unterstützen, weil wir als Christen berufen sind, Sorge zu tragen für Werte wie: Wahrheit, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Menschenwürde und Minderheitenschutz.

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Diese Erklärung bedeutet:

  1. dass wir die Grundsätze von Recht und Demokratie auch in unseren eigenen Strukturen anwenden und weiter entwickeln wollen und die Stimme der Kirche mit prophetischem Zeugnis hören lassen.
  2. dass wir als Kinder des gemeinsamen Vaters Dialog führen wollen im Geiste gegenseitigen Respekts und ohne Gewalt. Wir wollen uns für Frieden einsetzen und eine respektvolle Kommunikationskultur in der Gesellschaft und in den neuen Medien pflegen.
  3. dass wir unseren Auftrag, Christus nachzufolgen und sein Evangelium von Frieden und Hoffnung zu verbreiten, in der Gesellschaft, in der wir leben, auch dadurch wahrnehmen, dass wir uns um die von Exklusion und Unrecht Betroffenen kümmern und uns für sie einsetzen.

Gott möge uns dabei helfen!

Warschau, den 17. 9. 2019

Daniel Ženatý, Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder

Tomáš Tyrlík, Bischof der Schlesischen Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses

Ivan Eľko, Generalbischof der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Sklowakei

Jerzy Samiec, Leitender Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen

Tamás Fabiny, Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn