Die Evangelisch-Theologische Fakultät feiert ihr hundertjähriges Bestehen

7. 1.Prof_Manfred-Oeming_100_Years_David_Rafael_Moulis_2019-14Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung des neuen tschechoslowakischen Staates schlossen sich die lutherischen und die reformierten Christen in der Tschechoslowakei zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder zusammen. Und eines der ersten Dinge, die die neue Kirche tat, war die Einrichtung einer Fakultät für evangelische Theologie, damit ihre Theologiestudenten in Böhmen in tschechischer Sprache ausgebildet werden konnten. Hundert Jahre später ist die Fakultät immer noch stark und feierte im November 2019 den 100. Jahrestag ihrer Gründung mit einer Reihe verschiedener Veranstaltungen.

Den Auftakt zu den Feierlichkeiten bildete die Jahresversammlung des Vereins der Freunde der Fakultät am Freitag, dem 8., und Sonnabend, dem 9. November. Die Mitglieder des Vereins, der selbst sein 20-jähriges Bestehen feierte, hörten von einer Reihe ehemaliger Studenten der Fakultät, welchen Beruf sie jetzt ausüben und wie ihr Theologiestudium sie darauf vorbereitet hat. Es gab eine breite Palette interessanter Beiträge, nicht nur von jenen, die jetzt in der Kirche arbeiten, sondern auch von einem Hochschullehrer für Philosophie, einem Anwalt, einem Schriftsteller, einem Regierungsbeamten und einem derzeitigen Studenten, der an Aktivitäten gegen den Abbau der Rechtsstaatlichkeit im Land beteiligt ist.

Am Sonntag, dem 10. November, fand in der Kirche St. Martin in der Mauer ein Abendgottesdienst zum Dank für die hundert Jahre des Bestehens der Fakultät statt. Die Predigt wurde vom Doyen ihrer Hochschullehrer, Prof. Petr Pokorný, gehalten, der leider nur zwei Monate später starb.

Anlässlich des Jubiläums beschloss die Karlsuniversität, Manfred Oeming, Professor für Alttestamentliche Studien an der Universität Heidelberg, die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Prof. Oeming ist ein alter Freund der Prager Fakultät, mit der er in den letzten 20 Jahren an einer Reihe gemeinsamer Projekte gearbeitet hat, darunter Blockseminare und kürzlich archäologische Ausgrabungen in Israel. Offiziell wurde die Doktorwürde am Montagnachmittag in der Großen Aula im zentralen Universitätsgebäude verliehen. Im Anschluss fand eine große Zusammenkunft statt, an der der Rektor der Karlsuniversität, Gäste aus dem Ausland, Vertreter anderer Fakultäten der Universität, anderer akademischer Institutionen und der Kirchen sowie der breiten Öffentlichkeit teilnahmen. Der Zeremonie folgte eine festliche Feier zum 100-jährigen Jubiläum der Fakultät, bei der Vertreter der Kirchen und der internationalen akademischen Gemeinschaft ein paar Grußworte sagten und Ehrenmedaillen an langjährige Freunde und Unterstützer der Fakultät aus dem akademischen, kirchlichen und publizistischen Bereich verliehen wurden.

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Abgerundet wurden die Feierlichkeiten am Dienstag, dem 12. November, durch ein Symposium an der Fakultät. Der Hauptvortragssaal war gefüllt mit Gästen, die eine Reihe von kurzen Vorträgen hörten, von denen einige unterschiedliche Aspekte der Fakultätsgeschichte abdeckten, während andere einen kritischen Blick auf die Beziehungen der Fakultät zur Universität, zur Kirche und zur Gesellschaft warfen. Alle waren sich einig, dass die Vorträge, die hauptsächlich von jüngeren Lehrenden gehalten wurden, zum Nachdenken anregten und aufschlussreich und somit für die Entwicklung der Fakultät in den nächsten hundert Jahren vielversprechend waren.

Peter Stephens