Ein Praktikum für einen deutschen Studenten in einer tschechischen Schule

9. fotka Anne SeilerEs ist vielleicht weniger bekannt, dass einige der Studenten, die jedes Jahr im Rahmen des Erasmus-Programms aus anderen Ländern an die Prager Theologische Fakultät kommen, neben ihrem Studium auch ein Praktikum absolvieren. In der Regel sind dies Studierende der Sozialen Arbeit, die in einem Bereich der Sozialarbeit tätig werden. Dieses Jahr jedoch absolvierte auch ein Theologiestudent ein Praktikum …

Im Rahmen meines Studium der Religionspädagogik/Gemeindediakonie an der Evangelischen Hochschule Freiburg hatte ich im letzten (Winter-)Semester die Chance ein Erasmus (theoretisches Semester im Ausland) an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Prag zu machen. Doch für mich ist es nicht nur ein theoretisches Semester geblieben. Neben den Vorlesungen, die ich dort besuchen durfte, durfte ich auch noch eine andere ganz besondere Erfahrung machen. Teil meines Studiums ist das Erlangen der Unterrichtserlaubnis für die Erteilung von Religionsunterricht in der Grundschule und der Sekundarstufe 1. Für die Durchführung meines Schulpraktikums durfte ich an die Deutsche Schule Prag (DSP) gehen. Nicht nur durfte ich dort die Besonderheiten einer Auslandsschule mit ihrer internationalen Schüler*innen- und Lehrer*innenschaft kennenlernen, sondern auch das Leben an dieser deutsch-tschechischen Begegnungsschule.

Donnerstags und freitags machte ich mich morgens auf den Weg nach Jinonice zur DSP.  Dass der Religionsunterricht an einer Auslandsschule anders aussehen würde, als der, den ich aus meiner eigenen Erfahrung aus Deutschland kannte, hatte ich erwartet. Doch durfte ich an der DSP ein besonderes Konzept des Religionsunterrichts kennen lernen. Der Religionsunterricht im deutschsprachigen Zweig in der fünften bis neunten Klasse wird ökumenisch gehalten, von Herrn Dr. Pater Martin Leitgöb (Auslandspfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Prag) und Frau Pfarrerin Förster-Blume (Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde Prag). Der Unterricht lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven, Erfahrungen und Erlebnissen der Lehrenden sowie der Schüler*innen.

Ich selbst hatte das Vergnügen, die Schüler*innen der fünften Klasse für einige Wochen zu unterrichten. In Dankbarkeit zurückblickend kann ich sagen, dass ich nicht nur lernen durfte in meine Lehrerinnen-Rolle hineinzuwachsen, sondern auch erfahren konnte, welch ein Schatz in Vielfältigkeit liegt und in Räumen, diese auszuleben, sowie feiern zu dürfen. Nicht nur wird für mich dadurch der Blick auf unsere Welt höher und weiter, sondern auch der auf unseren Gott.

Peter Stephens