Ladislav Hejdánek (10. Mai 1927 – 28. April 2020)

12 Hejdánek3Kurz nach dem Tod von Petr Pokorný im Januar 2020 trauert die Evangelisch-Theologische Fakultät in Prag nun um einen weiteren ehemaligen Professor, den Philosophen Ladislav Hejdánek, der unter dem kommunistischen Regime in Dissidentenkreisen tätig war.

Hejdánek wurde am 10. Mai 1927 in Prag geboren. Er begann an der Karlsuniversität Mathematik zu studieren, wechselte jedoch bald das Fach und studierte Philosophie bei den führenden tschechischen Philosophen Jan Blahoslav Kozák und Jan Patočka. 1952 schloss er sein Studium ab. Zu dieser Zeit war er im „Akademischen YMCA“ (CVJM) aktiv, einer einflussreichen Vereinigung für protestantische Studenten. Im Februar 1948 gehörte er zu den 200 Studenten, die zur Prager Burg marschierten, um Präsident Beneš davon zu überzeugen, den Rücktritt der nichtkommunistischen Minister nicht zu akzeptieren.

Unter dem kommunistischen Regime konnte er nicht auf seinem Gebiet arbeiten, abgesehen von einer kurzen Zeit während des Prager Frühlings, als er am Philosophischen Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften tätig war. 1971 wurde er aus dem Institut entlassen und wegen der Verteilung von Flugblättern, die als regimefeindlich angesehen wurden, inhaftiert. In den 1970er und 1980er Jahren hatte er, wie viele andere Dissidenten, verschiedene Jobs als Portier, Lagerarbeiter und Heizer.

 In den 1960er Jahren war er in der „Neuen Orientierung“ aktiv, einer Reformbewegung in der Evangelischen Kirche der Tschechischen Brüder. Er war Unterzeichner der Charta 77 und in den Jahren 1977 bis 1980 zweimal deren Sprecher. In den 1980er Jahren organisierte er im Untergrund Philosophie-Seminare in privaten Wohnungen, an denen führende ausländische Philosophen wie Paul Ricœur, Jacques Derrida und Richard Rorty teilnahmen.

Als das kommunistische Regime 1989 fiel, wurde er von Václav Havel eingeladen, Minister in der Übergangsregierung zu werden. Er lehnte ab und widmete sich lieber der Philosophie. Er wurde 1990 zum außerordentlichen Professor an die Evangelisch-Theologische Fakultät und 1992 zum Professor an die Fakultät der Künste der Karlsuniversität berufen. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 lehrte er an beiden Institutionen.

1953 heiratete Hejdánek Heda Kofroňková, und sie bekamen vier Töchter. Er war ein Naturliebhaber und Kakteenzüchter. Er erhielt eine Reihe von staatlichen und anderen Preisen und Auszeichnungen.

Als Philosoph wurde Hejdánek von den tschechischen Philosophen Emanuel Rádl und Jan Patočka beeinflusst, doch er war ein sehr eigenständiger Denker, der diese Einflüsse sowie die Religion und das universitäre Umfeld kritisierte. Er proklamierte: „Ich bin ein Schüler von Sokrates, weil ich überzeugt bin, dass der wahre Ort der Philosophie auf den Straßen und im Alltag der Menschen liegt, nicht in geschlossenen Universitätslabors, in denen nicht kommunizierbare intellektuelle Experimente durchgeführt werden.“

Peter Stephens