Wie die Diakonie der Coronakrise standhält und wie sie hilft

Diak Krabčice (4)Zuhause hat Marie Jurošková eine Tasche vorbereitet und darin wie für ein Sommercamp eingepackt. Persönliche Sachen, Telefon, Kissen, Decke, das Lieblingsgesellschaftsspiel. Sie ist bereit, wie spät es auch sein mag, loszufahren. Aber nicht ins Sommercamp, sondern zu den Klienten des Pflegeheims der Diakonie in Valašské Meziříčí. Zusammen mit Frau Jurošková stehen neun weitere Menschen bereit: Krankenschwestern, Pfleger, Rinigungskraft.

Das Heim in Valašském Meziříčí

Die Diakonie kümmert sich hier um 42 Senioren, deren Durchschnittsalter ist 87 Jahre. Alle leiden unter unterschiedlich starker Demenz oder Alzheimer. Professionelle Hilfe brauchen sie 24 Stunden am Tag. In ähnlichen Heimen versorgt die Diakonie tausende Senioren und auch Demenzkranke. In der ganzen Republik sind in diesen Heimen rund 55 000 Menschen, mehr als 100 000 weitere nutzen den Pflegedienst.

Diak Krabčice (3)In Valašské Meziříčí funktioniert der Betrieb bis jetzt auf die übliche Art und Weise. Weggefallen sind nur die Besuche und es gibt weniger gemeinsames Programm, wie Kochen, Backen oder Singen. Und wenn, gibt es dies auch nur in kleineren Gruppen.

„Natürlich tragen alle Mundschutzmasken.“ betont Frau Jurošková, die das Heim leitet. Die mangelnden Hilfsmittel kommen von Bekannten und Freunden der Diakonie, die diese mit bewundernswertem Elan in Heimarbeit herstellen. Dadurch hat nicht nur das Heim, sondern auch die ganze regionale Diakonie genug Mundschutzmasken.

Die Helden dieser Tage sind Reinigungskräfte

Der Aufwand für die Hygiene, der auch in normalen Zeiten sehr hoch ist, ist jetzt noch gewachsen. Frau Jurošková betont dabei, dass die oft vergessenen Helden dieser Tage die Reinigungskräfte sind. Deren Arbeitspensum ist wahrscheinlich am meisten gestiegen. Wäre es ihnen je eingefallen, dass man unzählige Male am Tag den Kaffeeautomaten oder das Fingerabdrucklesegerät, welches das Personal beim Betreten nutzt, sorgfältig desinfizieren muss? Von außen sieht es aber so aus, als wäre alles beim Alten geblieben.

Alle wissen aber, dass es sich in Sekundenschnelle ändern kann. Es reicht nur ein einziger Verdacht, dass jemand im Heim mit Corona infiziert wurde. Ab dem Moment müsste das ganze Objekt eine strenge Quarantäne einhalten. Im Extremfall darf niemand rein oder raus. Und wer soll 42 Senioren da helfen?

Diesen Auftrag müssen diejenigen mit den gepackten Taschen erledigen. Zehn mutige, mit Frau Jurošková an der Spitze, bereit auf Knopfdruck bei den Senioren eine vierzehntägige Quarantäneschicht zu absolvieren. Sie haben alles durchdacht. Wo sie schlafen, was sie essen und wie sie mit der Außenwelt kommunizieren werden. Und den Rücken decken weitere zehn, vorbereitet um sie abzuwechseln. Die vierzehntägige Quarantäne kann sich verlängern.

Die Krisenpläne sind vorbereitet

Frau Jurošková sieht es realistisch. Dann wäre alles nämlich schon im Gange und es gäbe keine Zeit mehr zum Nachdenken. Alle in der Diakonie wissen es, die Krisenpläne haben sie im Kopf und auf Papier.

Dennoch herrscht Vertrauen und gute Laune im Team. Das Rezept dafür ist laut der Leiterin Marie Jurošková Offenheit. Sie hat deswegen – unter Einhalten aller hygienischen Regeln – ein gemeinsames Kaffeetrinken für das Personal eingeführt. Das ist eine Angelegenheit, bei der sich alle bei erleichterter Atmosphäre über ihre Unsicherheiten austauschen können, aber auch zusammen lachen können. „Schon jetzt haben wir eine angenehme Atmosphäre, wie in einem Sommercamp.“ sagt Frau Jurošková. „Und dort entstehen doch die besten Freundschaften.“

Die Insel Krabčice

In der Diakonie Krabčice hat man sich für die komplette Schließung des lokalen Altenpflegeheims entschieden. Präventiv, um die Bewohner und das Personal maximal zu schützen. Angefangen hat es am 3. April, wobei die Quarantäne minimal einen Monat dauern sollte. Für 44 Angestellte bedeutet das einen Monat lang Trennung von Familie und dem eigenen Haushalt. Mit den Bekannten sehen sie sich nur mittels Videokonferenzen oder über den Zaun. „Wenn ich meine Frau und Kinder sehen möchte, kommen sie mit dem Auto, in dem sie sitzen bleiben. Ich schaue aus dem Fenster und so unterhalten wir uns. So trinken wir manchmal Kaffee zusammen.“ Erzählt der Leiter des Heims Aleš Gabrysz, der natürlich auch dort bleibt.

Diak ValMez (2)Das Personal hat seine Unterkunft in Wohncontainern, in denen auch übernachtet wird. Natürlich sind es nicht nur Pfleger und es sind sogar nicht unbedingt die eigentlichen Angestellten des Heims Krabčice. Das Team dreier Köchinnen wurde zum Beispiel durch zwei weitere Köche aus der nordmährischen Pension Unter der Linde verstärkt. Alle zusammen schaffen es perfekt, nahezu 140 Menschen den ganzen Tag mit Essen zu versorgen.

Vier der sieben Angestellten, die im Heim im Normalfall das Putzen und die Wäsche erledigen, haben sich entschlossen, freiwillig in Quarantäne zu bleiben. Das Ausmaß an Arbeiten, das sie täglich erledigen müssen, ist riesig. Fegen und Wischen (manchmal sogar zweimal) müssen sie eine Fläche der Größe eines Eishockeyfelds: 1800 Quadratmeter. Dazu zweimal am Tag alle Lichtschalter und Türklinken in den vieren Gebäuden desinfizieren. Und täglich 100 Kilo Wäsche der Bewohner und des Personals. Eine außergewöhnliche Leistung.

Briefe zur Aufmunterung

Das Diakonische Zentrum für Entwicklungshilfe und humanitäre Arbeit hilft mit. Egal wie gut die Heime diese Herausforderungen lösen, für alle gilt, dass sie für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben, also vor allem für die Verwandten und Bekannten der Bewohner. Die Senioren in den Heimen befinden sich nun in sozialer Isolation, sie können ihre Familien, Freunde oder deren freiwillige Helfer nicht sehen. Manchmal können sie wegen des Risikos der Übertragung der Infektion nicht einmal aus dem Zimmer, um sich gegenseitig zu treffen. Deswegen hat das Zentrum für Entwicklungshilfe und humanitäre Arbeit Freiwillige gesucht, die bei der Initiative „Briefe zur Aufmunterung“ helfen.

Auch die Leser dieses Artikels können die Senioren auf einfache Weise unterstützen. Schreiben Sie idealerweise einen kurzen handschriftlichen Brief, maximal eine A4 Seite, fotografieren oder scannen Sie diesen und schicken Sie ihn mithilfe eines Internetformulars unter jsmesvami.diakonie.cz/dopis-pro-radost an das Zentrum (sie ersparen sich dadurch den Weg zur Post). Die Angestellten des Zentrums geben den Brief dann an eines der diakonischen Heime weiter. Die erste Ladung Briefe wanderte so bereits nach Písek, Krabčice, Rýmařov, Vsetín, Dvůr Králové nad Labem und Myslibořice.

Wie schnell und wirkungsvoll geholfen werden kann

Man muss aber auch an Alleinerziehende denken, an Menschen mit Handicap oder diejenigen, die Verwandte betreuen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Klienten von Beratungsstellen und anderen Institutionen der Diakonie.

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Da ist beispielsweise Frau Eva: Sie hatte einen Minijob auf einem Parkplatz und die Einnahme war wichtig für sie, weil sie Invalidenrente dritten Grades bekommt und gesundheitliche Probleme hat, so dass sie teure Medizin braucht. Eva hofft, dass sich die Firma, bei der sie gearbeitet hat, in Zeiten der Corona-Einschränkungen um sie kümmert, aber das ist nicht sicher. Auf jeden Fall ist sie jetzt in einer Situation, in der sie ihr monatliches Gehalt von 3000 Kronen verloren hat. Frau Eva ist einer der ersten Menschen, denen die Spendenaktion für Menschen in finanzieller Not half, die im März wegen der Coronakrise startete.

Schnelle Hilfe ist nötig, damit die Menschen nicht mittellos bleiben, bevor sie Sozialhilfe vom Staat bekommen oder sie sich auf andere Weise an die neue Situation anpassen.

Über die Spendenaktion wird weiterhin Geld gesammelt und mit einem Betrag von 300 000 Kronen wurde sie auch durch den Synodalrat der EKBB mit Mitteln aus dem Fond für soziale und charitative Hilfe unterstützt.

Wir danken Ihnen, dass sie an die Bedürftigen denken.

Adam Šůra