Worte und Taten unter einem Dach. Die Gründung der Pflegeeinrichtung: Jan-Amos-Comenius-Zentrum

Přístavba a původní budovaDie Evangelische Gemeinde in Přeštice hat ihre Anfänge in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Die ersten Gottesdienste fanden im Herbst 1921 mit 60 Personen statt. Die Zahl der Gemeindeglieder stieg laufend bis zu einigen hundert. Einen großen Verdienst am Aufbau der Gemeinde hat der langjährige Prediger und Gemeindeleiter Josef Francouz. Der Gemeinde fehlten jedoch seit Beginn entsprechende Räume, die der evangelischen Gemeinde und der Ortsgemeinschaft in Přeštice und Umgebung dienen könnten. Und so hat der Pfarrer für sie unermüdlich gebetet. Zu einem Zeitpunkt bekam die Gemeinde das Gebäude der Synagoge und das anliegende Haus, im Jahre 1974 wurden diese abgerissen. Unter erschwerten Bedingungen erwarb die Gemeinde zumindest ein Einfamilienhaus, das zugleich Kirche, Pfarramt und Gemeindehaus war. Es war klar, dass das nur eine Übergangslösung sein könnte.

Die Gemeinde, die sich in der Zeit des Totalitarismus verkleinerte, erlebte in den vergangenen zehn Jahren eine dynamische Zunahme an Mitgliedern. Zu den Gottesdiensten fanden sich immer mehr Menschen zusammen und so fanden sich auch diejenigen, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen wollten. Und so gründete sich im Jahr 2004 ein Familienzentrum, einige Jahre später kam ein Kindertreff dazu, der heute, ähnlich wie die Pfadfinder, jedes Jahr fünf Kinderfreizeiten ausrichtet, sowie etliche kleinere Ausflüge und Gruppen für Kinder sowie weitere Aktionen anbietet. Die Gemeinde veranstaltet öffentliche Vorträge, das Adventssingen, sie beteiligte sich an dem Lehrpfad für den Heiligen Vojtech und vieles weiteres. Es entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt und mit örtlichen Vereinen. In der bunten Palette der Angebote fehlte jedoch ein Dienst für die Senioren.

Die Gelegenheit mehrere Dinge auf einmal zu lösen ergab sich im Sommer 2016, als die Möglichkeit in Erwägung gezogen wurde, eine Pflegeeinrichtung mit Kapelle zu bauen, dank der freundlichen Unterstützung der EU (Fond IROP) und Spenderinnen und Spender der evangelischen Kirche in Tschechien, Deutschland und der Schweiz.

Wie die Idee reifte

Im Sommer 2016 beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst im Pfarrgarten, während eines Gesprächs mit dem Prediger der Brüder-Gemeinde, fiel der Gedanke eine Einrichtung für Senioren und Menschen mit Behinderungen zu bauen. Den Gedanken nahm Kurator Josef Mištera auf, der gemeinsam mit Schwester Michaela Cimicka das Projekt der „Tagespflege“ mit dem Namen Kristian vorbereitete. Der Ältestenrat gab sein Einverständnis.

In dieser Situation kamen die Gedanken von František Straka aus dem Kirchenamt. Er brachte die Idee ein, für die Pflegeeinrichtung ein eigenes Gebäude zu bauen, in dem es zugleich Platz gäbe für die Gemeinde, nach dem sich so viele schon lange sehnten. Dann gab die Kirchenleitung für dieses Unternehmen ihre Unterstützung. So stand dem Bau einer Pflegeeinrichtung und dem Bau eines neuen Gebäudes nichts mehr im Wege.

Wie sie die Gemeindesituation geistlich erlebten

M. Tejček  7.5.2018-49Für das ganze Projekt hat die gesamte Gemeinde gebetet. In ihren Gebeten begleiteten sie alle Schritte, die notwendig waren für die Ausarbeitung des Projekts: ihre Genehmigung, für die ausgewählte Leitung und den Bau des Gebäudes. Es war ein langer Prozess mit vielen Situationen, die manchmal aussichtslos erschienen. Trotzdem geschah es, dass auf wundersame Weise immer im letzten Moment eine Lösung gefunden wurde. Das alles bestärkte die Gemeinde darin, dass Gottes Handeln am Werk ist, zu diesem Schluss kommen wir auch weiterhin.

 Wie das Geld zusammenkam

Insgesamt war es nötig etwa 7 Millionen Kronen zu sammeln. Der Betrag war für die Gemeinde mit einem Etat von 10.000 Kronen unvorstellbar. Trotzdem ist die Gemeinde mit Hilfe des Synodalrats das Projekt angegangen, und hat sich Unterstützung gesucht. Das gelang schrittweise dank freigebiger Spenden aus der evangelischen Kirche aus Deutschland und der Schweiz. Große Spender waren auch die evangelischen Gemeinden hier in Böhmen, die in beachtlicher Weise dazu beigetragen haben – über den Hieronymus-Verein (Jeronýmova jednota). Zudem kamen auch Spenden aus Gemeinden aus dem westböhmischen Seniorat. Allen Spenderinnen und Spendern gilt unser großer Dank!

Wie alles umgesetzt wurde

Sehr schnell. Am Anfang war es nötig in Rekordzeit die Unterstützung des Baus der Einrichtung aus dem EU-Fond zu beantragen, was uns gelungen ist, dank der aufopferungsvollen Zusammenarbeit mit der renommierten Firma EUFC, die uns sehr entgegen gekommen ist. Die Projekt-Dokumentation des Hauses während der unwahrscheinlich kurzen Zeit arbeitete Zbyněk Wolf aus Domažlice in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Ladislav Schejbal aus. Das waren sehr dichte drei Monate. Dann folgte die Nachricht der bewilligten Zuschüsse, dann kam die Auswahl der Leitung der Baufirma und schließlich der eigentliche Bau. Jetzt läuft noch die Phase der Abrechnung.

Was das Ziel des neuen Gebäudes ist

Das Gebäude haben wir Jan-Amos-Comenius-Zentrum genannt, es dient als Tagespflege für Senioren und Menschen mit Behinderungen. Aber nicht nur das. Es ist auch ein Kirchsaal, der nicht nur Sonntagmorgens, zwei Stunden die Woche, belegt sein soll, sondern so oft wie möglich. Geplant sind Vorträge, Ausstellungen, Konzerte und weiteres. Und auch Gemeinde-Angebote –mit Familien, mit Kindern. Unsere Vision ist es, dass aus diesem Haus ein Ort wird, wo Menschen Begegnungen mit dem lebendigen Gott machen können – sei es durch das Wort, oder durch die Werke der Nächstenliebe. Ein Haus Gottes, Bethel, das Tor zum Reich Gottes. (Gen 28,17.19).

 Was uns der Bau des Gebäudes gebracht hat

Kázání VZikmund

Es ist uns gelungen, das Wort und die Tat zu verbinden – so, wie wir die Kirche charakterisieren. Unsere Gesellschaft hat vergessen, dass Kirche mehr als das Kirchgebäude ist, nämlich auch der konkrete Dienst in dieser Welt. Krankenhäuser, Heime für Bedürftige, die Sorge um Kinder und Jugendliche,.. Das alles würde es ohne die Kirche nicht geben. Und so hat auch dieses Gebäude große Bedeutung für diese Welt und für uns selbst. Es ist verbunden mit dem gepredigten Wort (Kirchsaal) und dem Ausdruck dessen, wohin uns das Wort führt – zum Dienst am Nächsten.

Es zeigte sich, wie viele Menschen um uns diesen Dienst benötigen. Wie nützlich der Dienst den Menschen am Ende des Lebens ist, wie es uns möglich ist, Familien zu unterstützen, die mit großem Einsatz zu Hause ihre Angehörigen pflegen, und wie den Menschen ihr Glaube wieder zugänglich gemacht wird, der über Jahre verschüttet war.

Wir wollen, dass das Jan-Amos-Comenius-Zentrum den Menschen in Přeštice und der weiteren Umgebung dient und die frohe Botschaft weiterträgt, und ein Zeichen der Liebe für die Menschen um uns sei.

Jan Satke