Zum 350. Todestag von Johann Amos Comenius

JAKJohann Amos Comenius (tschechisch Jan Amos Komenský) stammte aus dem Südosten Mährens, aus einer Familie, die den Böhmischen Brüdern angehörte. Er wurde am 28. März 1592 geboren. Sein Geburtsort ist jedoch umstritten: mal wird Nivnice (Nivnitz), mal Uherský Brod (Ungarisch Brod) genannt. Johann war nach vier Töchtern der einzige Sohn des Ehepaars Comenius. Seine Kindheit verbrachte er wahrscheinlich an beiden erwähnten Orten im Südosten Mährens, und ab 1598 besuchte er die Brüderschule in Uherský Brod.

Nicht nur sein Talent bestimmte das Schicksal von Johann Amos, sondern auch die Tatsache, dass sich die Brüder-Unität gebildeten priesterlichen Nachwuchs sichern musste. Deshalb wurde er ins Ausland geschickt, um drei Jahre lang, von 1611 bis 1614, an kalvinistisch orientierten Universitäten in Deutschland zu studieren, unter anderem an der Universität Heidelberg. Nachdem er 1614 nach Mähren zurückgekehrt war, unterrichtete Comenius an der Schule in Přerov (Prerau) und wurde 1616 zum Pfarrer der Brüdergemeine ordiniert.

 Wie die Mehrheit der Böhmischen Brüder unterstützte Comenius den Ständeaufstand in Böhmen gegen die katholischen Habsburger. Die Niederlage der böhmischen und mährischen evangelischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 besiegelte somit auch sein Schicksal. Um die Jahreswende 1621/22 musste er aus Angst um seine Freiheit und sein Leben seine damaligen Wirkungsstätte verlassen und sich an verschiedenen Orten in Nordmähren verstecken. Die neue Verfassung Verneuerte Landesordnung legalisierte 1627 die Erbmacht der Habsburger in den Böhmischen Ländern und erklärte den Katholizismus zur einzig zugelassenen Religion. Nichtkatholische Stände wurden angewiesen, innerhalb von sechs Monaten entweder das Land zu verlassen oder zum Katholizismus überzutreten. Die Folge war eine große Auswanderungswelle, mit der auch die Familie Comenius ins Exil ging.

 Im großpolnischen Leszno (Polnisch-Lissa) fand Comenius Zuflucht, und es sollte ihm ein zweites Zuhause werden: In drei Etappen verbrachte er hier insgesamt 19 Jahre seines Lebens. Dank seiner auf Latein verfassten Werke, insbesondere modernen Lehrbücher und pansophischen Schriften, erlangte er Bekanntheit in ganz Europa.

Mit 50 Jahren stand Comenius an der Spitze seiner Schaffenskraft, und es gab beträchtliches Interesse an seiner Arbeit in Europa. Er erhielt sogar von Kardinal Richelieu persönlich eine Einladung nach Paris. In erster Linie verfasste Comenius Lehrbücher, aber sein wirkliches Interesse richtete sich zunehmend auf sein Hauptwerk, die universalreformatorische Schrift De rerum humanarum emendatione consultatio catholica („Allgemeine Beratung über die Verbesserung der menschlichen Angelegenheiten“).

Eine Katastrophe war für Johann Amos die unselige Nachricht vom Abschluss des Westfälischen Friedens im Oktober 1648, mit dem Böhmen, entgegen schwedischer Versprechungen, unter der Kontrolle der Habsburger verblieb. Aber auch jetzt konnte seine Vitalität nicht durch Misserfolge gebrochen werden. Seine Kontakte ins Ausland (insbesondere mit England) bestanden weiterhin, und er versuchte, von dort Hilfe für die tschechischen Exulanten zu bekommen. Trotz der endgültigen Bestätigung des Westfälischen Friedens im Januar 1650 beschloss die Synodalversammlung der Böhmischen Brüder, die Unität nicht aufzulösen, sondern sie für die Zukunft aufrechtzuerhalten.

 In dieser neuen Situation begrüßte Johann Amos Comenius die Einladung der siebenbürgischen protestantischen Fürstenfamilie Rákóczi, eine Reform ihrer Lateinschule in Sárospatak vorzunehmen. Er hatte dadurch die Gelegenheit, die Kontakte zu den Exilgemeinden der Böhmischen Brüder in Ungarn wieder aufzunehmen und zu versuchen, neue politische Unterstützung für die tschechischen Exulanten zu gewinnen. Er verbesserte die örtliche Schule und schrieb hier viele ausgezeichnete, insbesondere didaktische Werke [Schola ludus (Die Schule als Spiel), Orbis pictus (Die Welt in Bildern)]. Intrigen des Rektors der Schule verschlechterten jedoch Comenius’ Position in Sárospatak zunehmend, und so beschloss er im Juni 1654, nach Leszno zurückzukehren.

Zu dieser Zeit lebte noch einmal kurz und zum letzten Mal die Hoffnungen der tschechischen Exulanten auf, dass sich die Verhältnisse in Mitteleuropa umkehren könnten. Eine Koalition aus Schweden, Cromwells England und Siebenbürgen zeichnete sich ab. Als 1655 der schwedisch-polnische Krieg ausbrach, feierte der kriegerische Schwedenkönig Karl X. Gustav zunächst große Triumphe. Bald jedoch begann sich das Blatt zu wenden, polnisch-katholische Einheiten griffen Leszno (das für ein Nest von Ausländern und protestantischen Verrätern gehalten wurde) an und brannten es nieder. Johann Amos konnte mit seiner Familie in letzter Minute fliehen, doch bei dem Brand verlor er seinen gesamten Besitz, einschließlich der Bibliothek und vieler wertvoller, unvollendeter Manuskripte.

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Comenius hatte vorübergehend Zuflucht in Frankfurt an der Oder gefunden, als ihn im Juni 1656 eine Einladung nach Amsterdam erreichte; diesmal zog er endgültig in die Niederlande.

Die vierzehn Jahre in Amsterdam waren für ihn eine Zeit des kreativen Aufschwungs (hier vollendete und veröffentlichte er seine zahlreichen literarischen und wissenschaftlichen Werke). Seine Ideen und Bemühungen entfernten sich jedoch bereits von der Realität des damaligen Europa, das von Macht und wirtschaftlichen Interessen beherrscht wurde. Trotzdem hörte er auch in den letzten Jahren seines Lebens nicht auf, seine Pflichten als Bischof der Brüdergemeine zu erfüllen, und pflegte den Kontakt zu seinem Heimatland und den tschechischen Exulanten (unter anderem auch durch die Veröffentlichung seiner tschechischen Bücher).

 Er starb am 15. November 1670 in Amsterdam inmitten einer unvollendeten Arbeit im Alter von 78 Jahren und wurde eine Woche später, am 22. November, in der Stadt Naarden, 20 km südöstlich von Amsterdam, beigesetzt. Die letzte Station auf Comenius’ langer Reise war das Grab in der Kirche der wallonisch-reformierten Kirche, zu welcher der Verstorbene eine sehr enge persönliche Beziehung gehabt hatte.

Jaroslav Kumpera (redaktionell gekürzt)