Wir sollten Verständnis für die Komplexität der zwischenmenschlichen Beziehungen und die Vielfalt der Umwelt haben. Ein Interview mit Pavel Hanych, dem neuen Leiter der Abteilung für ökumenische und internationale Beziehungen der zentralen Kirchenkanzlei der EKBB

2. HanychPavel Hanych (37 Jahre) studierte evangelische Theologie an der Karlsuniversität in Prag. Er arbeitete zehn Jahre in der Zentrale der Diakonie, zuletzt als Leiter der Abteilung für Kommunikation und als Pressesprecher. Er ist als Hilfsprediger der EKBB ordiniert und leitet auch die Veröffentlichung des neuen evangelischen Gesangsbuches. Die Musik ist seine größte Leidenschaft, der er sich schon seit seiner Kindheit widmet. Auf einem Spezialgymnasium für Musik studierte er Geige. Er lebt mit seiner Frau Klára und dem anderthalb Jahre alten Sohn Pavel zusammen.

Ökumenische und internationale Beziehungen – das klingt sehr offiziell. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Evangelische Kirche bemüht sich seit ihren Anfängen um den Dialog und einen gemeinsamen Weg der Christen trotz der Verschiedenheit der Traditionen und Akzente der einzelnen Kirchen. Unsere Aufgabe besteht darin, dies zu unterstützen. Hier in Tschechien, in unseren reichen, aber zerbrechlichen ökumenischen Beziehungen. Und dann im Ausland, wo wir stark ausgeprägte Partnerschaften und Freundschaften mit vielen Kirchen pflegen. Neben zahlreichen Besuchen, Studien- oder Arbeitsbesuchen unterstützen wir einander und tauschen uns über Praxisbeispiele in vielen Bereichen des kirchlichen Lebens aus. Und natürlich wollen wir nicht an der Grenze der anderen Kirchen stehenbleiben und hier sehe ich eine dritte Säule unserer Arbeit – in der Beziehung zur Öffentlichkeit, darin, wichtige gesellschaftliche, etische und politische Themen zu öffnen, Minderheiten oder Menschen am Rand der Gesellschaft zu schützen. Wir wollen, dass die Kirche ein offener und sicherer Raum für alle ist. In Zusammenarbeit mit dem Synodalrat und der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit beteiligen wir uns daran, dass auch in diesem Bereich unsere Stimme hörbar ist.

Du hast Theologie studiert, hast Dich auf den Pfarrdienst vorbereitet und Du warst vor allem lange in der Diakonie tätig. Was nimmst Du daraus in die neue Arbeitsstelle mit?

3N5B7386-201Auf jeden Fall das Wissen rund um die Kirche, welches ich mir während meines Studiums und in verschiedenen kirchlichen Gremien angeeignet habe. Zehn Jahre bei der Diakonie waren eine wertvolle Zeit, dort habe ich aus großer Nähe festgestellt, dass auch eine kleine Kirche eine Organisation leiten kann, die doch zu den wichtigen und respektierten sozial Diensten in der Tschechischen Republik gehört und auch international wirkt. Trotz der Größe und der quantitativen Parameter, die die Diakonie im Vergleich zur Kirche mittlerweile erreicht hat, hat sie sich niemals von der Kirche distanziert und will auch weiterhin eine gute Beziehung zu ihr behalten. Mein Engagement in der Diakonie hat bestimmt auch mein Sozialgefühl gestärkt. Trotz all des Wachstums und des Lebens in relativer Ruhe und Reichtum leben bei uns weiterhin viele Menschen, Familien, Kinder, die es im Leben sehr schwer haben. Das hat mich gelehrt, dass auch die Kirche nicht in ihrer eigenen sozialen Blase leben sollte. Dass sie stattdessen offen, einfühlsam, einladend und nicht urteilend sein soll. Dass sie ein sicherer Hafen auch für diejenigen sein soll, die nicht dem Mainstream entsprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies in der EKBB gut funktioniert, aber trotzdem darf man es nicht vergessen.

Welches sind die drei wichtigsten Aufgaben, die Du jetzt vor Dir siehst?

Das Kennenlernen von internationalen Beziehungen in Zeiten, in denen die Welt irgendwie verschlossen ist, ist keine ideale Ausgangsposition. Ausländische Partner lade ich der Reihe nach zum Online–Kaffee ein, wir treffen uns über die Bildschirme und lernen uns gegenseitig kennen. Die zweite Aufgabe ist es, die drei Pfeiler unserer Arbeit gut zu erfassen – innere Ökumene, internationale Beziehungen, Gesellschaft – und innerhalb dieser Prioritäten und Ziele zu setzen, den weiteren Verlauf zu durchdenken und zu planen. Das braucht genügend Zeit, denn daneben haben wir auch mit deer tagtäglichen Administration zu tun, die auch in Covid–Zeiten nicht geringer ist. Dabei sind mir meine großartigen Teamkollegen eine große Stütze. Die dritte Aufgabe ist mehr eine persönliche – in den nächsten Monaten würde ich gerne mein Deutsch auf ein höheres Level bringen, denn neben Englisch ist dies eine grundlegend wichtige Sprache in unserer Abteilung.

Adam Šůra