Visionen und Perspektiven der Kirchen im 21. Jahrhundert

DSCF7893Das Symposium Kirche auf dem Weg: Visionen und Perspektiven für die Reise durch das 21. Jahrhundert, das am 13. April 2021 an der Evangelisch-Theologischen Fakultät (ETF) der Karlsuniversität stattfand, erinnerte an zwei bedeutende tschechische Praktische Theologen, Josef Smolík (1922–2009) und Pavel Filipi (1936–2015). Die Abteilung für Praktische Theologie der ETF lud in Zusammenarbeit mit dem Prager Seniorat der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder ihre Absolventen sowie Theologen aus dem Ausland ein und gedachte Smolíks und Filipis, indem deren Gedanken über die Kirche im aktuellen Kontext weiterentwickelt wurden.

Der Hauptbeitrag stammte von Professor Alexander Deeg von der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Leipzig. Er wies darauf hin, dass das Problem der Kirche immer ein Problem der Sprache sei. Er kritisierte die Verewigung der christlichen Botschaft, zu der es komme, wenn das Evangelium auf einen bestimmten dogmatischen und ethischen Inhalt reduziert werde. Kirchen glaubten oft, dass es ausreiche, diesen Inhalt in neue, attraktivere Formen zu bringen. Professor Deeg betonte im Gegensatz dazu die Notwendigkeit, das Evangelium als dynamisches Geschehen zu verstehen. In Anknüpfung an die Emmausgeschichte sei es die Aufgabe von Christen und Kirchen, im Gespräch eine neue Sprache über Gott zu suchen.

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Die nachfolgenden Beiträge hoben die Bedeutung gemeinsamer Visionen für die Bildung einer Gemeinde hervor (Scott Hamilton Andrews) sowie die Bedeutung des Gottesdienstes als zentrales Ereignis, in dem die Visionen und das Verständnis der Kirche gebildet werden (Tabita Landová). Weitere Beiträge behandelten die Tätigkeit der Professoren Josef Smolík und Pavel Filipi auf dem Gebiet der Ökumene, die sie beide mit der Praktischen Theologie verknüpften (Martin Vaňáč), die gegenwärtigen Perspektiven des Seelsorgedienstes (Ladislav Beneš) und die Möglichkeit, die Kirchengebäude als Raum für Religionsunterricht zu nutzen (Ondřej Macek). Die letzten beiden Beiträge bildeten einen gewissen Kontrast: Der eine suchte Inspiration für Kirchen im Bereich des Managements (Jiří Bochez), der andere im Bereich der gemeinsamen Beichte und des Annehmens der Gnade Gottes im Gottesdienst (Jana Hofmanová).

Das ganztägige Symposium fand online statt, teilweise auf Englisch mit tschechischer Übersetzung, und zog die Aufmerksamkeit von Hunderten von Teilnehmern auf sich. Der Videomitschnitt des Symposiums wird auf dem You Tube-Kanal der ETF der Karlsuniversität veröffentlicht. Alle Beiträge erscheinen in der Zeitschrift Teologická reflexe (Theologische Reflexion).

Tabita Landová