Archäologische Ausgrabungen in Tel Motza

Moca_nalez sosky konikaIm August diesen Jahres machte sich eine Gruppe Pädagogen, Angestellter sowie Studenten der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität Prag auf zu dreiwöchigen archäologischen Ausgrabungsarbeiten nach Tel Motza. Nach einjähriger pandemiebedingter Pause schließen sich die Arbeiten vor Ort an die Ausgrabungen im Jahr 2019 an.

Tel Motza befindet sich etwa 7 km vom altertümlichen Jerusalem entfernt und entspricht dem biblischen Ort Moza aus Josua 18,26. Archäologische Forschungen fanden hier bereits früher statt, allerdings wurde der Ort est im Jahr 1993 bei Planungsarbeiten für eine neue Straße nach Jerusalem zu einem archäologisch wichtigen Fundort erklärt.

Die Ausgrabungen an diesem Ort finden unter der Leitung von Shua Kisilevitz (Tel Aviv University und Israel Antiquities Authority) sowe Prof. Oded Lipschits (Tel Aviv University) statt. Ebenfalls am Projekt beteiligt sind die Universität Osnabrück in Deutschland sowie die Karlsuniversität in Prag. Außerdem können sich Freiwillige aus der ganzen Welt für das Projekt melden.

Die Ausgrabungen konzentrieren sich auf die Freilegung des Tempelkomplexes aus der Eisenzeit II (10.-6. Jhd. v. Chr.) und verlaufen in zwei Teilen, dem östlichen und dem westlichen. Der östliche Teil ist gekennzeichnet durch Silos, die an den Tempelhof angrenzen und wo in diesem Jahr verschiedene interessante Funde und Kultgegenstände zu Tage traten; im westlichen Teil konzentrierten sich die Forschungen hauptsächlich auf die Auffindung und Freilegung der Westwand des Tempels.

Der an diesem Ort freigelegte Tempel entspricht der biblischen Beschreibung des Ersten Tempels, der allerdings in Jerusalem gelegen haben soll. Aus dieser Sachlage entstehen jedoch verschiedene Fragen. Wie hängen diese beiden Tempel zusammen? Handelt es sich möglicherweise direkt um den Salomonischen Tempel? Handelt es sich um einen anderen wichtigen Tempel oder nur um eine weitere Gebetsstätte? Wem wurde der Tempel geweiht? Und was bedeutet das für die Bibelwissenschaft?

Das Projekt zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Mehrheit der am Projekt beteiligten „Ausgräber“ Theologiestudenten oder Theologen sind, die ihre Kenntnisse über zeitgenössische Forschungen der Bibelarchäologie erweitern und ergänzen. Gemeinsam mit Freiwilligen aus der ganzen Welt sowie Einheimischen aus unterschiedlichen Fachgebieten erleben sie ein Stück greifbarer Geschichte, tragen zu archäologischer Forschung bei und gehen körperlich anstregender und gleichzeitg sehr präziser Arbeit nach: vom Graben durch unterschiedliche Schichten und Zerstören der Fundamente jüngerer Gebäude über das Durchsieben von Lehm und das Sammeln verschiedener Keramik- oder Knochenteile bis hin zum Reinigen von Steinen.

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Es war sehr spannend, die archäologische Arbeit zu erleben, zu erfahren, was gemessen, genau beschrieben, gezeichnet und dokumentiert wird, wie Keramik gereinigt und identifiziert wird oder wie Proben für verschiedene Analysen genommen werden. Wichtig waren auch die Erklärungen zu den verschiedenen Aspekten, etwa was genau wir ausgruben, warum wir diese oder jene Schicht freilegten, wie wir vorgehen sollten, mit welchen Werkzeugen, zu welchem Zweck etwas geschah und was wir zu erwarten hatten. Vor Ort lieferten diese Erklärungen Fachbetreuer, abseites der Grabungsstätte gab es eine Vielzahl von Fachvorträgen, Workshops, Diskussionen und Exkursionen, die sowohl die Archäologie als auch die Theologie abdeckten.

Für mich vielleicht am Interessantesten war es zu sehen, wie man aus dem „Graben im Lehm“ eine solche Menge an Informationen herausziehen kann. Es war faszinierend, wie aus einigen „uninteressanten“ Steinen, Scherben und Tonstücken, die dem Laien auf den ersten Blick völlig gewöhnlich erscheinen, mit Hilfe diverser Analysen und 3D-Modellierungen eine visuell konkrete Form des Ortes mit eigener Akustik, dem zu erwartenden Einfall von Tageslicht in den Innenraum des Objekts und anderen Details entstehen kann.

Die Arbeiten an der archäologischen Ausgrabungsstätte Tel Motza werden weiter fortgesetzt. Die nächste Saison ist für September 2022 geplant. Die weiteren Arbeiten sollen mehr Licht in die bestehenden historischen Unklarheiten bringen und die Bedeutung dieses jüdischen Tempels offenbaren. Ich denke, wir können uns auf jeden Fall auf viel freuen und werden mehr über den so bedeutenden Fund der Überreste des Tempels in Tel Motza erfahren.

Daniela Stehlíková