Auf eine Welle der Zerstörung folgt eine Welle der Solidarität

20210626_140036Am Donnerstag, den 24. Juni 2021 wurden die Regionen um Hodonín und Břeclav unerwartet von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Auf eine Serie starker Gewitter folgte ein Tornado, der durch Südmähren fegte. Neben hohen Materialschäden wurden auch Tote und viele Verletzte gemeldet.  2000 schwer beschädigte Gebäude, einschließlich Eisenbahninfrastruktur, weggerissener Dächer, hunderter umgerissener Bäume – es entstand ein in Tschechien bisher ungekannter Schaden.

Schon vor Mitternacht desselben Tages trafen sich in einer außerordentlichen Sitzung die Leitung der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und der Diakonie der EKBB, um den Betroffenen schnellstmögliche Hilfe anzubieten. Aus humanitären Mitteln wurde eine Soforthilfe von 500 000 Tschechischen Kronen (ca. 20.000 EUR) gewährleistet,das Zentrum für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit organisierte eine Spendensammlung, die innerhalb von zwei Monaten weitere 26 Mio. Tschechische Kronen (ca. 10,1 Mio. EUR) einbrachte.

Gemeinsam mit fünf weiteren Organisationen, die ebenfalls Sammlungen organisiert hatten, schloss die Diakonie eine Übereinkunft über eine gemeinsam abgestimmte Hilfskation ab. So brachten es in den ersten zwei Wochen nach dem Tornado 34 Freiwillige der Diakonie auf über 1000 Arbeitsstunden in den betroffenen Gebieten.

20210626_120552

Die sofortige Welle der Solidarität derjenigen, die zu Hilfe bereit waren und sind, war derart außergewöhnlich, dass sich das Zentrum für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit der Diakonie der EKBB dazu entschloss, einen ökumenischen Gottesdienst zur geistlichen Stärkung, zum Trost und zur Hoffnung all derjenigen zu veranstalten, die ihre Lieben oder ihre Häuser verloren hatten und natürlich auch für jene, die Hoffnung und Trost gespendet hatten, wie den Rettungskräften, Einsatzkräften der Feuerwehr, Soldatinnen und Soldaten, Freiwilligen und vielen mehr…

IMG_20210624_214028Der Gottesdienst fand am Montag, den 30. September um 19 Uhr in der Pfarrkirche Jakobus des Älteren in Moravská Nová Ves (Mährisch Neudorf) statt. Im Gottesdienst dienten Geistliche aus der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, aus der Römisch-Katholischen Kirche, der Evangelisch-methodistischen Kirche, der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche sowie der Siebenten-Tags-Adventisten.

Drei Wochen später, Mitte Juli, verursachte eine Welle starker Gewitter und flutartigen Regens blitzartige Überflutungen im Westen Deutschlands sowie in Belgien und den Niederlanden.

Die Katastrophe forderte mehr als 200 Menschenleben und noch einen Monat nach den Ereignissen meldeten die Behörden Dutzende Vermisste. Mit diesen Ausmaßen gehört dieses Hochwasser zu den größten Naturkatastrophen Europas im letzten Vierteljahrhundert.
Der Synodalrat kontaktierte umgehend die evangelische Partnerkirche in Deutschland und drückte seine Anteilnahme aus. Gleichzeitig rief er die tschechischen Gemeinden zu Gebeten für die betroffenen Regionen auf und beschloss auf seiner Sitzung eine direkte Hilfe im Wert von 500.000 Kronen (ca. 20.000 EUR) aus Mitteln des Fonds für soziale und karitative Hilfe. Die finanzielle Unterstützung der EKBB floss direkt auf das Konto der deutschen Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die in den betroffenen Gebieten aktiv ist.

Darüber hinaus spendeten sowohl Gemeinden als auch Einzelpersonen. Die Spendensammlung für Deutschland koordinierte die Diakonie der EKBB, auf deren transparenten Konto bis Mitte August Spenden in Höhe von fast 555.000 Kronen (ca. 22.000 EUR) eingingen.

„Danke von ganzem Herzen für eine so großzügige Geste der Unterstützung und Solidarität! Die durch das Hochwasser angerichteten Schäden sind nicht zu beziffern. Fotos von betroffenen Orten lassen uns nur erahnen, wie groß der Notstand ist. Immer wieder versetzen uns Geschichten, die uns aus der Öffentlichkeit erreichen, in Erstaunen, Geschichten voll von Hoffnung und Glauben in diesem Leid. Eine dieser Geschichten der Hoffnung ist auch Ihre Begleitung in Gedanken, Gebeten und Geldern, die uns erreichen“, so ein Dankesbrief aus Deutschland, der an die Ökumene-Abteilung der Zentralen Kirchenkanzlei adressiert war.
Wir danken allen, die gespendet und unterstützt haben, dass sie mit ihrer Solidarität über die Trauer hinweghelfen und über Staatsgrenzen hinaus Hoffnung schenken.

Jiří Hofman