Sváťa-Fest 31.07.2021

Svata-webSvatopluk Karásek (*1942) diente als Prediger in der EKBB, zunächst in Hvozdnici und in Nové Město pod Smrkem. Auch als das kommunistische Regime ihm seine Zustimmung entzog, wirkte er weiterhin als Prediger und überzeugter Anhänger von Jesus Christus, ob als Burgkastellan an der Burg Houska oder in seiner Zeit im Gefängnis. Im Jahr 1980 emigrierte er in die Schweiz und diente in Bonstetten und Zürich in der Reformierten Kirche. Nach der Wende in der Tschechoslowakei 1989 kam er zurück und knüpfte zunächst in der Bethlehemskapelle in Prag, dann in Nové Město pod Smrkem an seine Pfarrtätigkeit an. Anschließend kehrte er wieder nach Pag zurück, in die Salvatorkirche.

Im Rahmen eines pandemiebedingten kleinen Abschieds in der Salvatorkirche am 23. Januar 2021, entstand die Idee ein sogenanntes „Sváťa-Fest“ (Anm. d.Ü.: Sváťa=Kosename f. Svatopluk) zu veranstalten, um es auch dem weiteren Freundes- und Zuhörerkreis zu ermöglichen, sich an sein Wirken als Prediger und Musiker zu erinnnern. Das Programm begann am 31. Juli mit einem Gottesdienst in der Prager Salvatorkirche, es schloss sich ein Musikfestival in im südlichen Prag gelegenen Lahovičky an.            Obwohl das Fest mitten im Sommer war und deshalb nicht alle kommen kommen, denen die Freundschaft, Predigten, Lieder oder einfach die Offenheit von Svatopluk Karásek am Herzen lag, waren beide Orte des Sváťa-Fests gut besucht .

In der Kirche des hl. Salvator erinnert der Pfarrer Zdeněk Bárta, Dissident und Wegbegleiter von Svatopluk Karásek aus Nordböhmen an dessen ganzheitliche Perspektive, innere Freiheit, herausragende Menschenfreundlichkeit und and dessen stetiges Ringen um die Wahrheit in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.  Der Pfarrer Josef D. Beneš, Svatopluks Schweizer Kollege, erinnerte an dessen spannenden Anfänge, als er erstmals auf Deutsch predigte und daran, wie er die manchmal etwas „steifen“ Reformierten Schweizer mit seinen Predigten bewegte. Insbesondere aber, so erinnerte Beneš, sprach er die Menschen dadurch an, dass die Verkündigung des Evangeliums für ihn einen tieferen, existentiellen Sinn hatte.

Auch weitere Gäste erinnerten in diesem Sinn daran, dass Svatopluks Beiträge immer sehr authentisch waren, sich damit befassten, dass ziviler Nonkonformismus in der Normalisierung keine Selbstverständlichkeit war und dass hinter dem versierten Svatopluk immer dessen tiefe Demut vor Gott stand.

226368092_4300958049961795_2551423269505489849_nIm Anschluss an den Gottesdienst fand ab 16 Uhr das Festival in Lahovičky statt. Interpretiert von Karel Vepřek und Bobeš Rössler erklangen Lieder von Svatopluk Karásek, natürlich fehlten auch nicht die Bands Oboroh und vor allem Svatopluk. Die Underground-Community, zu der manch Kirchbesucher dazustoß, vergnügte sich im Tanze, mit dem ein oder anderen Bierchen und schwelgte in alten Hits wie Ženský ty jsou fajn (etwa: Frauen, die sind klasse), Say no to the devil und weniger bekannten Liedern.

Svatopluks Lieder und Predigten zeigten zur Zeit der Normalisierung einen Weg des wahren Christentums, sie wirkten als Antitoxin gegen die Engherzigkeit der Kirche, gegen die aktuelle Verlockung des Nationalismus, der Fremdfeindlichkeit und des Konsums, der viele Christen und auch Krichenvertreter nicht immer gewappnet sind.

225217156_4300963293294604_3002799701840563746_nDas Sváťa-Fest war eine schöne Gelegenheit für viele sich für das Leben von Svatopluk Karásek zu bedanken. Wir erinnern uns mit Freude an Svatopluk als treuen Anhänger Christus, der seinen Mitmenschen trotz Einschüchterung und hoffnungsloser Umstände das Geschenk der christlichen Freiheit, Großzügigkeit und Wahrhaftigkeit vergegnwärtigen konnte.

Tomáš Trusina, Foto das Porträt Karel Cudlín