Wir haben Schüler, die an staatlichen Schulen abgewiesen werden. Ein Gespräch mit Direktor Milan Černý zum Ausbau der Schule für schwerbehinderte Kinder

002_5955Vor zehn Jahren erfuhr er von einer Bekannten, dass die Prager Förderschule der Diakonie einen Schulleiter suchte. Er hatte eine Ausbildung für eine solche Position, Erfahrung jedoch nicht. „Ich mag Herausforderungen und vermutete, dass die sich bei der Diakonie reichlich bieten“ – so erklärt Milan Černý, warum er sich schließlich für die Diakonie entschieden hat. Eine der größten Herausforderungen steht derzeit an: Die Förderschule „V Zápolí“ im Prager Stadtteil Michle muss ihre Kapazitäten erheblich erweitern, um mehr Familien mit schwerbehinderten Kindern zu helfen.

Warum muss die Schule „V Zápolí“ erweitert werden und kann nicht so bleiben, wie sie ist?

Diak. Milan ČernýDas Interesse an der Schule ist groß und in der jetzigen Situation müssen wir sogar Bewerbungen von Familien aus der nahen Umgebung ablehnen. Wir haben keinen Platz, und es wäre ein Fehler, nichts dagegen zu tun. Je mehr Kinder in unsere Schule gehen, desto mehr Familien können wir unterstützen. Die Förderschule ist für sie eine enorme Hilfe. Wir brauchen in unserer Schule auch dringend eine Turnhalle, die Kinder haben drinnen eigentlich keinen Platz zum Spielen. Für unsere autistischen Schüler fehlt uns zudem ein spezieller Raum, in dem wir sie in Sicherheit beruhigen können. Außerdem planen wir eine Übungsküche, weil wir die Selbständigkeit unserer Schüler bestmöglich fördern wollen – damit sie sich nach dem Abgang von der Schule bestmöglich um sich selbst kümmern können.

Wie viele Schüler wird die Schule aufnehmen können, wenn sie erweitert wird?

Doppelt so viele wie jetzt. Aktuell haben wir 48 Schüler, nach dem Umbau werden es bis zu hundert sein. Wir denken auch über eine Praktische Schule nach. Außerdem wird es im Neubau einen Kindergarten und eine Vorbereitungsstufe für die Grundschule geben, die wir von den anderen Klassen trennen.

Wie kommt das Geld für ein so großes Projekt zusammen?

diak.002_5948Da wir in Prag tätig sind, also in einer sehr wohlhabenden Region, haben wir paradoxerweise ein bisschen Pech: Wir bekommen keine Investitionszuschüsse von der Europäischen Union. Die rund 10 Millionen Kronen, die uns fehlen, müssen wir anders auftreiben. Zunächst wenden wir uns mit der Bitte um Hilfe immer an die Familien unserer Schüler. Einige unterstützen uns direkt, andere verbreiten Informationen über den Ausbau in ihrem Umfeld. Ich habe mich auch an Unternehmen gewandt, die uns in der Vergangenheit unterstützt haben. Ich versuche mein Glück auch bei der tschechisch-vietnamesischen Gesellschaft, da vier vietnamesische Schüler unsere Schule besuchen. Aber jeder kann zum Ausbau unserer Schule beitragen. Wir haben auf unserer Webseite ein Spendenformular, über das es möglich ist, einen finanziellen Beitrag zu geben.

Sie haben bereits ein großes Projekt hinter sich, und das ist der neue Schulhof.

Auf den sind wir ungeheuer stolz. Die Familien unserer Kinder haben uns dabei geholfen. Der Vater eines Schülers etwa kam mit einem Bagger in den Garten und beseitigte alle Betonelemente, ein anderer spendete uns 50.000 Kronen. Im Grunde haben uns alle Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen, und das weiß ich sehr zu schätzen. Nach und nach haben wir die notwendige Summe zusammengetragen und einen Garten mit vielen Klangspielzeugen, Rutschen, einem Trampolin und verschiedenen Elementen zur motorischen Entwicklung angelegt. Es gibt zudem viel Platz zum Ausruhen und eine schöne Gartenlaube. Und es entstand auch ein Stück Fußweg, auf dem die Kinder Fahrrad und Roller fahren können – das macht ihnen nämlich besonders viel Spaß.

Sind die Prager Förderschulen Ihrer Meinung nach etwas Besonderes?

Diak.002_5953 (3)Wir sind sicherlich insofern außergewöhnlich, als wir uns um Kinder mit den schwersten Behinderungen kümmern. Wir haben Schüler, die niemals an staatlichen Förderschulen aufgenommen würden. Aber wir zeichnen uns auch dadurch aus, dass unsere Mitarbeiter Menschen sind, die diese Arbeit gern machen, die voneinander lernen und sich gegenseitig eine Stütze sein wollen. Und ich denke, das gelingt uns. Jeder von uns trägt etwas dazu bei. Und ich glaube, das wirkt sich irgendwie auch auf unsere Kinder und ihre Eltern aus.

Vendula Janů