Kategorie-Archiv: Aktuell aus der ETF

Gedanken einer Studentin, die von weit her nach Prag kam

IMG_4043Jedes Jahr verbringen etwa zwanzig bis dreißig Studierende aus dem Ausland ein Jahr oder ein Semester an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Prag, wo ihnen eine Reihe von Veranstaltungen auf Englisch zur Verfügung steht. Hier folgen ein paar Gedanken von einer von ihnen – einer Studentin vom Columbia Theological Seminary in den USA. Gedanken einer Studentin, die von weit her nach Prag kam weiterlesen

Anfang diesen Jahres verließ uns unser langjähriger Kollege Prof. Milan Balabán

9. Milan Balaban fotkaMilan Balabán wurde am 3. September 1929 in Boratyn, in der heutigen Westukraine, geboren. Sein Vater war dort Geistlicher der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) bei den wolhynischen Tschechen. In den Jahren 1948-1952 studierte Milan Balabán an der theologischen Comenius- Fakultät, der heutigen Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität Prag.

Zwischen 1952 und 1974 war er anfangs Vikar, später Pfarrer in den Gemeinden der EKBB in Šenov, Strmilov, Semtěš bei Čáslav und in Prag-Radotín. Im Jahr 1969 absolvierte er ein Postgraduierten-Studium am Ökumenischen Institut in Château de Bossey in der Schweiz.

Er war Mitglied der Gruppe, die im Rahmen der tschechischen ökumenischen Bibelübersetzung am Alten Testament arbeitete. 1974 wurde er auf staatliches Geheiß aus dem Dienst als Geistlicher entlassen und war bis 1990 Arbeiter. In dieser Zeit organisierte er illegal Weiterbildungen, einschließlich weiterführender Studien in Theologie über die Universität Cambridge, im Selbstverlag wurden einige seiner Werke und Gedichtbände veröffentlicht, die nach dem Ende des kommunistischen Regimes von renommierten Verlagen herausgegeben wurden.

Als Pfarrer ohne staatliche Genehmigung gründete er in Prag ein alttestamentliches Seminar und nahm auch an Untergrundseminaren in Zusammenarbeit mit Milan Machovec, Egon Bondy, Radim Palouš und weiteren bekannten Dissidenten teil.

Im Jahr 1990 wurde ihm für seine Arbeit CH-R-Š im Alten Testament, vorgelegt bereits 1972, die Doktorwürde in Theologie verliehen. 1993 habilitierte er sich mit der Arbeit „Glaube- oder Schicksal?“, 1995 wurde er zum Professor der Karlsuniversität ernannt.

Im Oktober 2002 erhielt er von Václav Havel eine staatliche Auszeichnung für seine Verdienste um die Tschechische Republik.

Sein ganzes Leben beschäftigte er sich mit der hebräischen Gedankenwelt und der Phänomenologie des Glaubens. Als Dichter untersuchte er die phänomenologische Qualität tschechischer und ausländischer Gedichte. Studenten und Kollegen an der Evangelisch- Theologischen Fakultät kannten ihn als herzlichen und witzigen Pädagogen, klugen Freund, originellen Denker und großen Dichter.

Milan Balabán starb am 4. Januar 2019 in Libice nad Cidlinou.

 Pavel Hošek

Doktorandenstudium an der Evangelisch-Theologischen Fakultät

174026Schon seit einer Reihe von Jahren ist es möglich, das Doktorandenstudium an der ETF UK nicht nur auf Tschechisch, sondern auch in englischer oder deutscher Sprache zu absolvieren. Aktuell sind zwei Studienprogramme offen: Theologie und Philosophie. In dem Studiengang Theologie können sich die Studierenden auf eines von drei Studienfächern fokussieren, und zwar auf Biblische Theologie, Historische und Systematische Theologie oder Praktische Theologie. Im Studienprogramm Philosophie konzentrieren sich die Studierenden auf das Fach Religionsphilosophie.

Weitere Informationen erteilen der Prodekan für postgraduale Studien, Prof. ThDr. Martin Prudký (prudky@etf.cuni.cz), die Referentin für das Doktorandenstudium Vladimíra Dubinová (dubinova@etf.cuni.cz ) und  die Auslandsabteilung der Fakultät (international@etf.cuni.cz).

174049Für das Studium in einer Fremdsprache ist eine Gebühr von 25.000 CZK (cca 1 000 Euro) pro Studienjahr zu entrichten.

Anmeldeschluss für das Doktorandenprogramm des Studienjahres 2019/2020 ist der 30. April 2019, (siehe: https://web.etf.cuni.cz/ETFENG-53.html).

Ondřej Lukáš

Jiří Mrázek als Dekan der Prager Theologischen Fakultät wiedergewählt

Jiri Mrazek IProfessor Jiří Mrázek wird das Amt des Dekans der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität (ETF) auch bis 2022 innehaben. Seine erste, vier Jahre währende Amtszeit ging mit dem akademischen Jahr 2017/2018 zu Ende, doch wurde er für eine zweite Amtszeit vom Akademischen Senat der ETF (bestehend aus Vertretern von Studenten und Lehrenden) wiedergewählt und dann offiziell vom Rektor der Karlsuniversität bestätigt. Jiří Mrázek als Dekan der Prager Theologischen Fakultät wiedergewählt weiterlesen

„Wenn nicht du, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt eine rollstuhlfahrende Studentin aus der Republik Moldau

fotka Mariana Morari 1Beim Treffen mit Mariana heute Nachmittag wurde eines sofort ersichtlich: ihr offenes Naturell. Tatsächlich hatten wir gerade begonnen, über Politik zu diskutieren, über ein Thema, das wohl selbst unter guten Bekannten selten zur Sprache kommt. Nach einem köstlichen Gedanken- und Meinungsaustausch erzählte sie mir dann ihre Geschichte. „Wenn nicht du, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt eine rollstuhlfahrende Studentin aus der Republik Moldau weiterlesen

Drei Dinge, die ich bei meinem Studienaufenthalt in der Tschechischen Republik gelernt habe

Double degree programme fotka2Die Evangelisch-Theologische Fakultät in Prag (ETF) führte 2015/16 einen neuen Bachelorstudiengang ein, der in vielerlei Hinsicht innovativ und ungewöhnlich ist. Er wird in Zusammenarbeit mit der Diakonischen Fachhochschule (Diak) in Helsinki, Finnland, und der Internationalen Akademie für Diakonie und soziales Handeln, Mittel- und Osteuropa (Interdiac) im schlesischen Teil der Tschechischen Republik durchgeführt, und der Unterricht wird von Dozenten aller drei Institutionen gemeinsam abgehalten. Die Studenten sind sowohl an der ETF als auch an der Diak eingeschrieben, und mit ihrem Abschluss erwerben sie akademische Abschlüsse von beiden Partneruniversitäten. Das Studienprogramm heißt „Soziale Dienste mit Schwerpunkt auf Diakonie und christlicher sozialer Praxis“, und die Unterrichtssprache ist ausschließlich Englisch. Die meisten Studenten kommen aus östlichen europäischen oder außereuropäischen Staaten, und Ziel des Programmes ist es, ihnen sowohl theoretische als auch praktische Kenntnisse auf dem gesamten Gebiet der Sozialarbeit und der sozialen Dienste zu vermitteln, wobei auf einen partizipativen Ansatz, auf Befähigung zur Selbsthilfe und auf Gemeinwesenarbeit ein besonderer Fokus gelegt wird. Das Programm beinhaltet auch das Studium der Sozialarbeit im Umfeld der Kirchen und Glaubensgemeinschaften (Diakonie) ‒ ein Zusatzstudium, das die Absolventen befähigt, im kirchennahen Umfeld tätig zu werden. Die Studenten müssen im Rahmen des Studiums umfangreiche Praktika absolvieren. Drei Dinge, die ich bei meinem Studienaufenthalt in der Tschechischen Republik gelernt habe weiterlesen

Friedensgruß – Gedanken über meinen Studienaufenthalt in den USA

 „Gebt einander ein Zeichen des Friedens.“

7. Jordan Tomes výřez_foto bulletinAls ich den Pfarrer diese Worte sprechen hörte, stand ich auf, bereit zu lächeln und ruhig die Hände der Leute in den benachbarten Bänken zu schütteln, so wie wir es in der Kirche meiner Heimatstadt in der Tschechischen Republik zu tun pflegen. Doch was ich erlebte, war etwas völlig anderes. Die Leute sprangen plötzlich von ihren Plätzen auf. Die Band stimmte unvermittelt ein rasantes Stück an. Alle rannten durch die Kirche, grüßten jeden, der ihnen zufällig über den Weg lief. Viele herzliche Umarmungen, Küsschen und kräftige Handschläge wurden lautstark ausgetauscht. Nachdem dieses Chaos mindestens fünf Minuten angedauert hatte (und alle außer mir mindestens eine Runde durch die ganze Kirche gedreht hatten), schienen die Leute sich langsam wieder zu beruhigen. Als sie schließlich ihre Plätze wiedergefunden hatten, ging der Gottesdienst weiter, als wäre nichts gewesen. Doch ich konnte nicht einfach weitermachen. Ich hatte so viele Fragen! „Was war passiert? Was sollte dieses Chaos mit Zeichen des Friedens zu tun haben? Und am allerwichtigsten: Welche der vielen Einladungen zum Mittagessen, die ich gerade erhalten hatte, sollte ich nur annehmen?!“ Friedensgruß – Gedanken über meinen Studienaufenthalt in den USA weiterlesen

Neue Kapläne bereit für den Dienst in Krankenhäusern

DSCN0623Mit einer feierlichen Zeremonie in der Evangelisch-Theologischen Fakultät (ETF) der Karls-Universität ging am Freitag, dem 2. Juni, die Ausbildung der Krankenhauskapläne zu Ende. Die sechzehn Absolventen des Kurses hatten ein Jahr lang darauf hingearbeitet, zu einem nützlichen Teil eines Krankenhausteams zu werden und dabei gleichzeitig ihre einzigartige Persönlichkeit zu bewahren. Eine ihrer Aufgaben wird es sein, Patienten, Angehörigen und Krankenhausmitarbeitern Hoffnung zu spenden. Viele von ihnen glauben fest daran, dass es ihnen gelingen wird, die Atmosphäre in ihrem jeweiligen Krankenhaus so zu verändern, dass Krankenhäuser als ein Ort der Gegenwart Gottes mit einer freundlichen Atmosphäre wahrgenommen werden und Beziehungen dort von Offenheit, Vertrauen und Respekt geprägt sind. Neue Kapläne bereit für den Dienst in Krankenhäusern weiterlesen

Interdisziplinäre und internationale Konferenz für Soziologie und Soziale Arbeit an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität

foto 6  fotka 3In der ersten Septemberwoche 2017 fand die siebte internationale Konferenz, zu der sich Soziologen und Sozialarbeiter treffen, statt. Der Grundstein zu dieser interdisziplinären Veranstaltung wurde vor einigen Jahren auf Initiative britischer und holländischer Soziologen und Sozialarbeiter gelegt. In den letzten Jahren hat sich der Radius und die Teilnahme der internationalen Konferenz auf Tschechien ausgeweitet; die diesjährige fand zum ersten Mal in Prag, in den Räumlichkeiten der Evangelisch- Theologischen Fakultät statt, mit ca. 50 Teilnehmern aus elf Ländern. Als thematischer Schwerpunkt der Konferenz wurde die Ausrichtung der Soziologie und Sozialarbeit in postsäkularen Gesellschaften ausgewählt. Interdisziplinäre und internationale Konferenz für Soziologie und Soziale Arbeit an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität weiterlesen

Prager Theologen im Heiligen Land

Vom 06.-20. Mai. 2017 machten sich Prof. Martin Prudky und Dr. Filip Capek zusammen mit Studenten der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karls-Universität Prag auf ins Heilige Land nach Israel.  Anlass der Reise der zehnköpfigen Gruppe, welche im New Imperial Hotel nahe des Jaffatores unterkam, war die Einladung Yuval Gadots, eines Archäologieprofessor der Universität Tel-Aviv, am „Ancient Jerusalem Excavation Project“ in der sogenannten Zone E in der Davidsstadt südöstlich der heutigen Jerusalemer Altstadt teilzunehmen. Unter Leitung von Gadots Mitarbeiterin Helena Roth und Johanna Regev, einer Expertin für Radiokarbon-Datierung, verfolgte die Gruppe zusammen mit weiteren Archäologiebegeisterten das Ziel, verwertbare Materialien wie Asche, Knochen, Olivenkerne oder Keramikstücke aus möglichst vielen Sedimentschichten freizulegen, welche für die spätere Analyse im Labor hilfreich sein könnten. Der wissenschaftliche Hintergrund ist das Anliegen eine lückenlose Chronologie für Jerusalem zu erstellen, anhand derer man weitere historische Ereignisse und Funde datieren kann. Hauptaugenmerk liege laut Gadot auf dem Eisenzeitalter (11.-7.Jahrhundert v. Chr.), weshalb die Grabung durch Sedimentschichten ebendieses Zeitalters ein primäres Anliegen war und ist. Am Ende der zweiwöchigen gemeinsamen Arbeit ließ sich resümieren, dass man mehr Material und Sichten als erwartet gefunden hat und deshalb eine weitere Grabung an selbem Ort im Juli angesetzt wurde, um mehr Materialien zu sichern und ein geschlossenes chronologisches Bild erhalten zu können. Zudem stellte Gadot einen Besuch in Prag im nächsten Jahr in Aussicht, um die Ergebnisse der Grabung vorzustellen. Man darf also gespannt sein, zu welchen archäologischen Erkenntnissen über Jerusalem die Arbeit der Prager Delegation beigetragen hat. Prager Theologen im Heiligen Land weiterlesen