Kategorie-Archiv: Aktuell aus der ETF

Drei Dinge, die ich bei meinem Studienaufenthalt in der Tschechischen Republik gelernt habe

Double degree programme fotka2Die Evangelisch-Theologische Fakultät in Prag (ETF) führte 2015/16 einen neuen Bachelorstudiengang ein, der in vielerlei Hinsicht innovativ und ungewöhnlich ist. Er wird in Zusammenarbeit mit der Diakonischen Fachhochschule (Diak) in Helsinki, Finnland, und der Internationalen Akademie für Diakonie und soziales Handeln, Mittel- und Osteuropa (Interdiac) im schlesischen Teil der Tschechischen Republik durchgeführt, und der Unterricht wird von Dozenten aller drei Institutionen gemeinsam abgehalten. Die Studenten sind sowohl an der ETF als auch an der Diak eingeschrieben, und mit ihrem Abschluss erwerben sie akademische Abschlüsse von beiden Partneruniversitäten. Das Studienprogramm heißt „Soziale Dienste mit Schwerpunkt auf Diakonie und christlicher sozialer Praxis“, und die Unterrichtssprache ist ausschließlich Englisch. Die meisten Studenten kommen aus östlichen europäischen oder außereuropäischen Staaten, und Ziel des Programmes ist es, ihnen sowohl theoretische als auch praktische Kenntnisse auf dem gesamten Gebiet der Sozialarbeit und der sozialen Dienste zu vermitteln, wobei auf einen partizipativen Ansatz, auf Befähigung zur Selbsthilfe und auf Gemeinwesenarbeit ein besonderer Fokus gelegt wird. Das Programm beinhaltet auch das Studium der Sozialarbeit im Umfeld der Kirchen und Glaubensgemeinschaften (Diakonie) ‒ ein Zusatzstudium, das die Absolventen befähigt, im kirchennahen Umfeld tätig zu werden. Die Studenten müssen im Rahmen des Studiums umfangreiche Praktika absolvieren. Drei Dinge, die ich bei meinem Studienaufenthalt in der Tschechischen Republik gelernt habe weiterlesen

Friedensgruß – Gedanken über meinen Studienaufenthalt in den USA

 „Gebt einander ein Zeichen des Friedens.“

7. Jordan Tomes výřez_foto bulletinAls ich den Pfarrer diese Worte sprechen hörte, stand ich auf, bereit zu lächeln und ruhig die Hände der Leute in den benachbarten Bänken zu schütteln, so wie wir es in der Kirche meiner Heimatstadt in der Tschechischen Republik zu tun pflegen. Doch was ich erlebte, war etwas völlig anderes. Die Leute sprangen plötzlich von ihren Plätzen auf. Die Band stimmte unvermittelt ein rasantes Stück an. Alle rannten durch die Kirche, grüßten jeden, der ihnen zufällig über den Weg lief. Viele herzliche Umarmungen, Küsschen und kräftige Handschläge wurden lautstark ausgetauscht. Nachdem dieses Chaos mindestens fünf Minuten angedauert hatte (und alle außer mir mindestens eine Runde durch die ganze Kirche gedreht hatten), schienen die Leute sich langsam wieder zu beruhigen. Als sie schließlich ihre Plätze wiedergefunden hatten, ging der Gottesdienst weiter, als wäre nichts gewesen. Doch ich konnte nicht einfach weitermachen. Ich hatte so viele Fragen! „Was war passiert? Was sollte dieses Chaos mit Zeichen des Friedens zu tun haben? Und am allerwichtigsten: Welche der vielen Einladungen zum Mittagessen, die ich gerade erhalten hatte, sollte ich nur annehmen?!“ Friedensgruß – Gedanken über meinen Studienaufenthalt in den USA weiterlesen

Neue Kapläne bereit für den Dienst in Krankenhäusern

DSCN0623Mit einer feierlichen Zeremonie in der Evangelisch-Theologischen Fakultät (ETF) der Karls-Universität ging am Freitag, dem 2. Juni, die Ausbildung der Krankenhauskapläne zu Ende. Die sechzehn Absolventen des Kurses hatten ein Jahr lang darauf hingearbeitet, zu einem nützlichen Teil eines Krankenhausteams zu werden und dabei gleichzeitig ihre einzigartige Persönlichkeit zu bewahren. Eine ihrer Aufgaben wird es sein, Patienten, Angehörigen und Krankenhausmitarbeitern Hoffnung zu spenden. Viele von ihnen glauben fest daran, dass es ihnen gelingen wird, die Atmosphäre in ihrem jeweiligen Krankenhaus so zu verändern, dass Krankenhäuser als ein Ort der Gegenwart Gottes mit einer freundlichen Atmosphäre wahrgenommen werden und Beziehungen dort von Offenheit, Vertrauen und Respekt geprägt sind. Neue Kapläne bereit für den Dienst in Krankenhäusern weiterlesen

Interdisziplinäre und internationale Konferenz für Soziologie und Soziale Arbeit an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität

foto 6  fotka 3In der ersten Septemberwoche 2017 fand die siebte internationale Konferenz, zu der sich Soziologen und Sozialarbeiter treffen, statt. Der Grundstein zu dieser interdisziplinären Veranstaltung wurde vor einigen Jahren auf Initiative britischer und holländischer Soziologen und Sozialarbeiter gelegt. In den letzten Jahren hat sich der Radius und die Teilnahme der internationalen Konferenz auf Tschechien ausgeweitet; die diesjährige fand zum ersten Mal in Prag, in den Räumlichkeiten der Evangelisch- Theologischen Fakultät statt, mit ca. 50 Teilnehmern aus elf Ländern. Als thematischer Schwerpunkt der Konferenz wurde die Ausrichtung der Soziologie und Sozialarbeit in postsäkularen Gesellschaften ausgewählt. Interdisziplinäre und internationale Konferenz für Soziologie und Soziale Arbeit an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität weiterlesen

Prager Theologen im Heiligen Land

Vom 06.-20. Mai. 2017 machten sich Prof. Martin Prudky und Dr. Filip Capek zusammen mit Studenten der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karls-Universität Prag auf ins Heilige Land nach Israel.  Anlass der Reise der zehnköpfigen Gruppe, welche im New Imperial Hotel nahe des Jaffatores unterkam, war die Einladung Yuval Gadots, eines Archäologieprofessor der Universität Tel-Aviv, am „Ancient Jerusalem Excavation Project“ in der sogenannten Zone E in der Davidsstadt südöstlich der heutigen Jerusalemer Altstadt teilzunehmen. Unter Leitung von Gadots Mitarbeiterin Helena Roth und Johanna Regev, einer Expertin für Radiokarbon-Datierung, verfolgte die Gruppe zusammen mit weiteren Archäologiebegeisterten das Ziel, verwertbare Materialien wie Asche, Knochen, Olivenkerne oder Keramikstücke aus möglichst vielen Sedimentschichten freizulegen, welche für die spätere Analyse im Labor hilfreich sein könnten. Der wissenschaftliche Hintergrund ist das Anliegen eine lückenlose Chronologie für Jerusalem zu erstellen, anhand derer man weitere historische Ereignisse und Funde datieren kann. Hauptaugenmerk liege laut Gadot auf dem Eisenzeitalter (11.-7.Jahrhundert v. Chr.), weshalb die Grabung durch Sedimentschichten ebendieses Zeitalters ein primäres Anliegen war und ist. Am Ende der zweiwöchigen gemeinsamen Arbeit ließ sich resümieren, dass man mehr Material und Sichten als erwartet gefunden hat und deshalb eine weitere Grabung an selbem Ort im Juli angesetzt wurde, um mehr Materialien zu sichern und ein geschlossenes chronologisches Bild erhalten zu können. Zudem stellte Gadot einen Besuch in Prag im nächsten Jahr in Aussicht, um die Ergebnisse der Grabung vorzustellen. Man darf also gespannt sein, zu welchen archäologischen Erkenntnissen über Jerusalem die Arbeit der Prager Delegation beigetragen hat. Prager Theologen im Heiligen Land weiterlesen

Professor Pokorný von der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Prag erhält den prestigeträchtigen Preis Donatio Universitatis Carolinae

Im Oktober 2016 kündigte der Rektor der Karlsuniversität eine neue hochrangige Auszeichnung an, die Donatio Universitatis Carolinae. Diese Auszeichnung soll führenden Forschern zuteilwerden, die einen wesentlichen Anteil am internationalen Prestige der Universität haben. Sie ist von einem Preisgeld in Höhe von einer Million CZK begleitet, mit der Absicht, das Forschungsinteresse des Ausgezeichneten weiter zu unterstützen.Karolinum

2017 wurden von einem internationalen Beratungsorgan aus einer Anzahl von 17 Nominierten aus der ganzen Karlsuniversität fünf Forscher für diese Auszeichnung ausgewählt. Einer der fünf Empfänger, die den Preis bei einem Festakt am 6. März 2017 von dem Rektor erhielten, war Professor Petr Pokorný von der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Der Festakt fand am Jahrestag der Gründung der Karlsuniversität statt.

Prof Petr PokornyPokorný ist seit vielen Jahrzenten ein weltweit bekannter Neutestamentler. Er ist Mitglied von vielen führenden tschechischen, wie auch internationalen Wissenschaftsvereinigungen. Er war schon in den siebziger Jahren Mitglied der Arbeitsgruppe für die neue tschechische ökumenische Bibelübersetzung; er war Vorsitzender für die Untergruppe zum Neuen Testament. Der Preis Donatio Universitatis Carolinae gilt als Anerkennung seiner Sonderforschung im Bereich der koptischen gnostischen Literatur, in der Genealogie der Schriften der synoptischen Evangelien und Deutero-paulusbriefe, wie auch in der Bibelhermeneutik. Das Preisgeld wird den Verlauf seiner jetzigen Forschungsprojekte weiter unterstützen, vornehmlich seine Arbeit an der Publikationsreihe Der tschechische ökumenische Kommentar zum Neuen Testament, und auch die historische Forschung zu Jesus von Nazareth.

Schottischer Universitätskaplan in Prag

7 fotka Skotský studentský farářPfarrer Dr. Alistair Donald kam im frühen Mai dieses Jahres zu einem von dem Erasmusprogramm organisierten Besuch nach Prag, als Gast der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Er ist Pfarrer einer Schwesterkirche der EKBB, der Church of Scotland, und er arbeitet als Kaplan an der Herriot-Watt-Universität, eine Wissenschafts- und Technikuniversität in Edinburgh. Hier seine Eindrücke von dem Besuch:

Obwohl ich schon vorher Prag für einen kurzen Urlaub besucht hatte, ermöglichte mir die Woche, die ich jetzt hier verbrachte, ein viel komplexeres Bild der Stadt, der Kirche und des Studentenkontextes. Ich hatte hilfreiche Diskussionen mit den Unterrichtenden, wie auch mit den Studierenden und anderen, die im Studentendienst tätig sind.

Es gibt viele interessante Ähnlichkeiten, wie auch Unterschiede, zwischen den Städten Edinburgh und Prag. Sie sind beide von einer großen, auf einem Berg platzierten Burg dominiert, und sie haben beide eine Geschichte, die mehr als ein Jahrtausend zurückreicht. Nur in Edinburgh gibt es kein Äquivalent des Flusses, der durch die Stadt Prag fließt. Es war interessant zu sehen, was für eine prominierte Stelle das Denkmal von Jan Hus auf dem Altstädter Ring hat. Daneben erfuhr ich, dass Hus sogar für diejenigen ein Nationalheld ist, die nicht religiös sind. Im Gegensatz dazu schämen sich heute viele in Schottland für unseren Reformator John Knox, und sie neigen dazu, ihn zu verunglimpfen und seinem riesigen Einfluss auf unser Bildungssystem zu ignorieren.

Der säkulare Kontext, in dem die Kirchen in unseren zwei Ländern tätig sind, hat natürlich ganz unterschiedliche Geschichten; doch sie ähneln sich. Es gibt eine bestimmte Offenheit für Fragen des Geistes, und gleichzeitig Skeptizismus und sogar Feindseligkeit gegenüber dem Christentum.

Da ich einen naturwissenschaftlichen Hintergrund habe, ist eines meiner Interessen die Beziehung von Wissenschaft und Glaube, und ich versuche darauf aufmerksam zu machen, dass sie keine „Feinde“ sind, wie man oftmals denkt. Es war schön, nach meinem Vortrag an der Hussitischen Theologischen Fakultät eine Zeit voll von lebendigen Fragen mit den Dozenten und Studenten zu erleben.

Ich bedanke mich herzlich bei Herrn Peter Stephens für seine wertvolle Hilfe, da er mir viele Kontakte und Begegnungen vermittelte. Ich bedanke mich auch bei vielen Mitgliedern der Fakultät und bei anderen aus dem Prager studentischen Umfeld, für ihre Zeit und Assistenz beim Austausch von wertvollen Erfahrungen.

Alistair Donald

„UK“ in „UK“ (Die Karls-Universität – Univerzita Karlova – besucht Britannien – United Kingdom)

Die Karls-Universität ist eine der ältesten Universitäten der Welt. Ihr langes Überleben verdankt sie ihrer Anpassungsfähigkeit, und anpassen möchte sie sich auch an die heutigen Bedingungen. Eines der Mitteln dazu ist die internationale Zusammenarbeit, deshalb schließt die Universität zahlreiche Partnerschaften in der ganzen Welt.

Eine Gruppe von 25 Leuten verschiedener Fakultäten der Universität, geleitet vom Rektor der Universität und seinem Team, reiste zu diesem Zweck im April ins Vereinigte Königreich. Die theologischen Fakultäten waren sehr gut vertreten, durch drei Mitglieder der Evangelisch-Theologischen Fakultät, dem Vize-Dekan für internationale Beziehungen, Dr. Jan Roskovec, zusammen mit Professor Pavel Hošek und Professor Tim Noble, und zwei Mitgliedern der Katholisch-Theologischen Fakultät – Dr. Martin Kočí und Dr. František Štěch. „UK“ in „UK“ (Die Karls-Universität – Univerzita Karlova – besucht Britannien – United Kingdom) weiterlesen

Das vergessene Königreich. Prof. Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv besucht die ETF

11fotka FinkelsteinEiner der bedeutendsten Besucher der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Prag (ETF) war in diesem Jahr Prof. Israel Finkelstein aus Tel Aviv. Als führender Experte für die Archäologie der alten Geschichte des Landes Israel, sowohl im Feld als auch im Studierzimmer, hat er viele internationale Preise bekommen. Finkelstein hat viele Bücher und Artikel über Israel in der Bronze- und Eisenzeit verfasst und untersucht u.a., ob die archäologischen Erkenntnisse die biblischen Erzählungen über die frühe Geschichte Israels unterstützen. Sein Besuch in Prag fand am 5.-9. Dezember 2016 im Rahmen der fortwährenden Zusammenarbeit zwischen der ETF und der Universität Tel Aviv statt. Während seines Besuchs gab Prof. Finkelstein zwei Vorträge an der ETF über archäologische Ansichten der biblischen Geschichte und besuchte auch die Einführung der tschechischen Übersetzung seines Buches “Das vergessene Königreich: Die Archäologie und Geschichte des nördlichen Israel” in der angenehmen Umgebung der Literarischen Café in der Academia-Buchhandlung.

Peter Stephens

Versteckte Kameras und arabische Lautenmusik

Ehemalige internationale Studenten der ETF treffen sich, um “Migration, Integration, Identität und christlichen Glauben” zu diskutieren

logo ETFJedes Jahr bietet die November-Sitzung des “Spolek” (Freundeskreis der Evangelisch-Theologischen Fakultät – ETF) die Möglichkeit für ehemalige internationale ETF-Studenten, nach Prag zurückzukehren, alte Freunde kennenzulernen und gemeinsam ein Thema zu diskutieren. Das Thema dieses Jahres war das Thema “Migration, Integration, Identität und christlicher Glaube”. Etwa 40 aktuelle und ehemalige internationale Studenten und andere Freunde der ETF nahmen an dem Treffen am 11./13. November 2016 teil und erlangten sowohl theoretische als auch praktische Einsichten in das Thema.

Das Programm begann mit einer Vorstellung des Dokumentarfilms “Flüchtlinge”, eingeleitet und kommentiert von dem Filmemacher Hassan Ezzedine. Mit dem Einsatz von versteckten Kameras zeigte er die echten Erfahrungen einiger individueller Flüchtlinge, die 2015 von der Türkei nach Griechenland übersetzen wollten. Darauf folgten Präsentationen von Michal Vašečka von der Masaryk-Universität in Brünn, der das Thema aus soziologischer Sicht untersuchte, und von Markéta Hrbková, die die Erfahrungen einer Bürgerinitiative beschreibt, die den neu angekommenen Einwanderern in der Tschechischen Republik Hilfe leistet. Am Samstagnachmittag besuchten die Teilnehmer das Integrationszentrum Prag und erfuhren etwas über seine Arbeit zur Integration von Ausländern in die tschechische Gesellschaft. Anschließend besuchten sie einen „arabischen Abend“, bei dem die in Prag lebenden Araber Aspekte ihrer Kultur vorstellten (u.a. arabische Lautenmusik und hervorragende arabische Küche).ilustrační

Das Wochenende wurde mit der Jahresversammlung des Spolek und einem Gottesdienst am Sonntag beendet. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Wochenende sehr angenehm und lehrreich war und freuen sich darauf, im November 2017 für das nächste Spolek-Treffen nach Prag zurückzukehren.

Peter Stephens