Das Epochenjahr 1918 aus Sicht der mitteleuropäischen Kirchen. Konferenz im Senat

_DSC6446Ende letzten Jahres fand in Prag eine internationale Konferenz über das Jahr 1918 statt. Teilnehmende aus mehreren evangelischen Kirchen in Mitteleuropa kamen zusammen, um der Umbrüche, die im Jahr 1918 nicht nur zu neuen Staatsgrenzen führten, sondern auch Auswirkungen auf Veränderungen in der Ordnung und Zusammenarbeit der Kirchen hatte, zu gedenken.

In Mitteleuropa entstanden damals neue Staaten, für die nun das hundertjährige Bestehen ein Grund zum Feiern ist, weil das Ende des Krieges ihnen Souveränität in einem modernen Staat brachte. Für andere Staaten sind die Folgen der Kriege jedoch bis heute traumatische Erlebnisse, denn sie erlebten 1918 als herben Verlust von Landesteilen und als Beschädigung ihres nationalen Stolzes. Die Teilnehmenden der Konferenz diskutierten diese unterschiedlichen Perspektiven und hinterfragten, welche Rolle ähnliche Erfahrungen in der heutigen Zusammenarbeit spielen und wie sich die Positionen des Staates oder der Gesellschaft von denen der Kirche unterscheiden.

_DSC6441

Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) veranstaltete diese Konferenz gemeinsam mit dem Senat des Parlaments der Tschechischen Republik. Darüber hinaus gehörten die Evangelisch- Theologische Fakultät der Karlsuniversität, der Ökumenische Rat der Kirchen in der Tschechischen Republik und die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) auch zu den Veranstaltern.

Jiří Hofman

Tonmitschnitte von der Konferenz auf Tschechisch und Deutsch können im Internet auf www.e-cirkev.cz nachgehört werden. Dort findet sich auch eine Fotogalerie.

Bulletin 46 – Ostern

Wir freuen uns, liebe Leser, dass wir Ihnen zu Ostern eine neue Ausgabe unserer Evangelischen Nachrichten aus Tschechien vorstellen dürfen. Wir müssen in ihr zu zwei Ereignissen zurückblicken, die nicht mehr nagelneu sind, für uns aber eine große Bedeutung haben.

Über das hundertste Jubiläum unserer Kirche haben wir bereits in früheren Ausgaben geschrieben, die große Jubiläumsfeier fand jedoch fast auf den Tag genau an dem gleichen Ort statt, an dem unsere Kirche im Dezember 1918 gegründet wurde. Einen Bericht davon sowie Links zu Photos und Video bringen wir also in dieser Ausgabe.

Jan Palach. Dieser Name ist unauslöschbar in die tschechische Geschichte eingegangen. Im Januar 1969 hat sich dieser Student knapp ein halbes Jahr nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die sowjetische Armee und weitere Warschauer-Pakt-Truppen aus Protest gegen die Resignation der tschechischen Gesellschaft verbrannt. Nach einer Trauerfeier im Karolinum, der Aula der Prager Karlsuniversität, wo die akademische Gemeinde aber auch tausende weiterer Bürger von dem Verstorbenen Abschied nahm, wurde Jan Palach am Olšany Friedhof von Jakub Trojan, dem späteren Professor der Evangelisch-Theologischen Fakultät beerdigt. Ein Gespräch mit Prof. Trojan, in dem er an den Januar 69 zurückdenkt, können Sie auch in diesem Bulletin lesen. Ich möchte noch gerne darauf hinweisen, dass die Gedenkfeiern, die im Januar diesen Jahres in Prag am Nationalmuseum, wo sich Palach verbrannt hatte, stattfanden, würdig und angemessen waren und dass Synodalsenior Daniel Ženatý und weitere Vertreter des tschechischen ökumenischen Rats dabei zu Wort kamen.

Jana_PliskovaLiebe Freunde, Gott hat uns mit Ostern große Freude, Hoffnung und Frieden geschenkt. Mögen uns diese Gaben auch in der kommenden Zeit erhalten bleiben.

Licht im Riesengebirger Fischerhaus

IMG_20181013_150024Wie jedes Jahr fand der Frühjahrseinsatz statt, und in der letzten Juniwoche bereits der fünfte Jahrgang der tschechisch-deutschen Woche, verbunden mit der Kirchweihfeier der Hackelsdorfer Kirche. Während dieser Woche produzierten wir einen Animationsfilm zum Thema „Licht im Sudetenland Es machte Spaß, war zugleich anspruchsvoll: für eine Filmsekunde bedurfte man 24 Fotoaufnahmen. Licht im Riesengebirger Fischerhaus weiterlesen

Bulletin 45 – Advent 2018

Liebe Leser,

Die Jahre, die mit einer Acht enden, sind in europäischem oder sogar globalem Maßstab von Bedeutung. In der tschechischen Geschichte gibt es viele einschneidende Achter-Jahre und sie werden 2018 besonders bedacht.

50 Jahre trennen uns vom 1968, das mit dem vielversprechenden Prager Frühling begann und mit dessen totaler Umkehrung durch die Besetzung der Warschauer-Pakt-Armeen endete. Und an einen weiteren fünfzigsten Jahrestag wollen wir erinnern, auch wenn er nicht mehr 1968 betrifft – im Januar 1969 hat sich vor dem Nationalmuseum, am oberen Ende des Wenzelsplatzes der Student Jan Palach selbst verbrannt und wollte mit dieser Tat die tschechische Nation aus ihrer Lethargie, die sich nach der sowjetischen Besetzung breit gemacht hatte, aufrütteln.

Schließlich etwas Hoffnungsvolleres – es gibt ein einhundertjähriges Jubiläum und hierzu gibt es wirklich etwas zu feiern! Das Ende des ersten Weltkriegs, aber auch die Gründung der Tschechoslowakischen Republik, für die besonders der Name des ersten Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk steht, und 100 Jahre Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder. Einen Artikel zum Jubiläum unserer Kirche finden Sie in dieser Ausgabe der Evangelischen Nachrichten aus Tschechien an erster Stelle.

Es gilt aber auch, was unser Synodalsenior in seiner Predigt zum Jubiläum bei den Feierlichkeiten in Pardubice gesagt hat: „Was sind schon hundert Jahre?“. Es wird Advent. Möge die Botschaft von Weihnachten uns stärken und Hoffnung geben. In der oft so geschäftigen Weihnachtszeit wollen wir nicht vergessen, wo wir Unterstützung und Freude finden, wo die Quelle des Friedens ist, der höher ist als alle Vernunft.

Mit besten Wünschen

Jana Plíšková

Petr Kratochvíl in den Vorstand der Konferenz Europäischer Kirchen berufen

kratochvil_petrAuf der Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) im Juni wurde ein neuer Präsident gewählt – die Wahl fiel auf den evangelischen Pfarrer Christian Krieger aus dem Elsass. Der Vorstand (Governing Board) hat einen tschechischen Neuzugang – Petr Kratochvíl von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, einer kleinen Diasporakirche. Petr Kratochvíl in den Vorstand der Konferenz Europäischer Kirchen berufen weiterlesen

Film und Diskussionsabende zum Thema „berühmte Protestanten“

4. KVH.1Im selben Jahr, in dem die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder ihr Jubiläum feiert, gedenkt auch die Tschechische Republik des Falls der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Entstehung unserer unabhängigen Republik vor hundert Jahren. Die tschechischen Protestanten sind mit der modernen Geschichte des Landes signifikant verbunden und das von Anfang an. Bis heute sind sie manche von ihnen bekannt als markante Staatsmänner, Denker, Menschenrechtsaktivisten oder Gegner des kommunistischen Regimes. Film und Diskussionsabende zum Thema „berühmte Protestanten“ weiterlesen